Wann gilt eine Tatbegehungsweise als abartig?

Antwort

Eine Tatbegehungsweise gilt im strafrechtlichen Sinne als „abartig“, wenn sie in besonders grober Weise von dem abweicht, was nach allgemeiner Lebenserfahrung als „normal“ oder „sozialadäquat“ angesehen wird. Der Begriff wird insbesondere im Zusammenhang mit Mordmerkmalen wie „aus Mordlust“, „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs“ oder „aus niedrigen Beweggründen“ verwendet (§ 211 StGB). Abartig ist eine Tatbegehungsweise dann, wenn sie nach allgemeiner sittlicher Wertung als besonders verwerflich, widernatürlich oder krankhaft erscheint. Das bedeutet, dass das Verhalten des Täters nicht nur strafbar, sondern in seiner Art und Weise auch besonders ungewöhnlich, widerwärtig oder pervers ist. Beispiele für abartige Tatbegehungsweisen sind: - Tötung eines Menschen zur sexuellen Befriedigung (sog. Sexualmord) - Quälen oder Foltern des Opfers aus sadistischen Motiven - Taten, die mit außergewöhnlicher Grausamkeit oder Entmenschlichung einhergehen Die genaue Abgrenzung ist immer eine Frage des Einzelfalls und wird von Gerichten anhand der Umstände und der gesellschaftlichen Wertvorstellungen beurteilt.

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