Wie funktioniert ergänzende Vertragsauslegung?

Antwort

Die ergänzende Vertragsauslegung ist ein rechtlicher Begriff, der vor allem im deutschen Zivilrecht Anwendung findet. Sie kommt zum Tragen, wenn ein Vertrag unvollständig ist oder bestimmte Regelungen fehlen, die für die Parteien jedoch von Bedeutung gewesen wären. Hier sind die wesentlichen Schritte und Grundsätze: 1. **Auslegung des Vertrags**: Zunächst wird der Vertrag im Rahmen der allgemeinen Auslegungsregeln (Wortlaut, Zweck, Interessen der Parteien) interpretiert, um den Willen der Parteien zu ermitteln. 2. **Ergänzungsbedarf feststellen**: Es wird geprüft, ob eine Regelungslücke vorliegt, die durch eine ergänzende Auslegung geschlossen werden kann. Dies ist der Fall, wenn die Parteien eine Regelung nicht getroffen haben, die sie bei vollständiger Berücksichtigung ihrer Interessen getroffen hätten. 3. **Interessen der Parteien berücksichtigen**: Bei der ergänzenden Auslegung wird der hypothetische Wille der Parteien ermittelt. Hierbei sind die Interessen und die wirtschaftlichen Ziele der Vertragsparteien zu berücksichtigen. 4. **Schlussfolgerungen ziehen**: Auf Basis der ermittelten Interessen und des hypothetischen Willens wird eine Regelung formuliert, die den Parteien in der gegebenen Situation angemessen erscheint. 5. **Rechtsprechung und Literatur**: Die ergänzende Vertragsauslegung orientiert sich auch an der Rechtsprechung und der herrschenden Meinung in der juristischen Literatur, um eine einheitliche und faire Lösung zu finden. Die ergänzende Vertragsauslegung ist ein wichtiges Instrument, um die Vertragspartner vor ungewollten Nachteilen zu schützen und eine faire Lösung zu finden, wenn der Vertrag nicht alle Eventualitäten abdeckt.

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