Welche rechtlichen Folgen hat die Schenkung eines Hauses von der Mutter an eines von vier Kindern im Erbfall?

Antwort

Die Schenkung eines Hauses von der Mutter an eines von vier Kindern hat im Erbfall mehrere rechtliche Konsequenzen, insbesondere im Hinblick auf das Erbrecht und den Pflichtteil: **1. Pflichtteilsergänzungsanspruch (§ 2325 BGB):** Wird ein Kind durch die Schenkung bevorzugt, kann dies die Pflichtteilsansprüche der anderen Kinder beeinflussen. Stirbt die Mutter innerhalb von zehn Jahren nach der Schenkung, wird der Wert des Hauses (abzüglich bestimmter Abschläge je nach Zeitablauf) dem Nachlass fiktiv hinzugerechnet. Die anderen Kinder können dann einen Pflichtteilsergänzungsanspruch geltend machen. **2. Ausgleichung unter Miterben (§ 2050 ff. BGB):** Wenn die Mutter das Haus einem Kind als sogenannte "Ausstattung" oder als "Voraus" schenkt, kann dies im Erbfall unter den Geschwistern auszugleichen sein. Das bedeutet, dass das beschenkte Kind sich die Schenkung auf seinen Erbteil anrechnen lassen muss, sofern die Mutter dies nicht ausdrücklich anders bestimmt hat. **3. Steuerliche Konsequenzen:** Die Schenkung unterliegt der Schenkungssteuer. Im Erbfall kann dies Auswirkungen auf die Freibeträge und die Steuerlast der Erben haben. **4. Enterbung und Pflichtteil:** Selbst wenn die Mutter die anderen Kinder enterbt, steht ihnen der Pflichtteil zu. Die Schenkung wird bei der Berechnung des Pflichtteils berücksichtigt, sofern sie innerhalb der Zehnjahresfrist erfolgte. **Zusammengefasst:** Die Schenkung kann dazu führen, dass die anderen Kinder im Erbfall Pflichtteilsergänzungsansprüche geltend machen können und/oder ein Ausgleich unter den Erben erfolgen muss. Die genaue Auswirkung hängt von den Umständen des Einzelfalls ab (Zeitpunkt der Schenkung, Wert des Hauses, testamentarische Verfügungen etc.). **Weitere Informationen:** - [§ 2325 BGB – Pflichtteilsergänzungsanspruch](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2325.html) - [§ 2050 BGB – Ausgleichung unter Abkömmlingen](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2050.html) Für eine individuelle Bewertung empfiehlt sich eine Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht.

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