Was bedeutet das Konzept der Übertragung?

Antwort vom

Das Konzept der Übertragung stammt ursprünglich aus der Psychoanalyse, insbesondere von Sigmund Freud. Es beschreibt den psychologischen Vorgang, bei dem Gefühle, Wünsche und Erwartungen, die eine Person ursprünglich gegenüber wichtigen Bezugspersonen (meist aus der Kindheit, wie Eltern) entwickelt hat, unbewusst auf andere Menschen übertragen werden – häufig auf den Therapeuten oder die Therapeutin. In der therapeutischen Situation bedeutet das, dass Patientinnen und Patienten dem Therapeuten Gefühle entgegenbringen, die eigentlich für andere Personen bestimmt sind. Diese Gefühle können positiv (z. B. Zuneigung, Bewunderung) oder negativ (z. B. Wut, Misstrauen) sein. Die Übertragung wird in der Therapie genutzt, um unbewusste Konflikte und Beziehungsmuster sichtbar und bearbeitbar zu machen. Das Gegenstück dazu ist die sogenannte Gegenübertragung: Hierbei reagiert der Therapeut mit eigenen Gefühlen auf die Übertragungen des Patienten. Zusammengefasst: Übertragung ist ein zentrales Konzept in der Psychoanalyse, das beschreibt, wie alte Beziehungsmuster auf neue soziale Situationen oder Personen übertragen werden.

Verwandte Fragen

Was ist die therapeutische Beziehung?

Die therapeutische Beziehung ist die gezielt aufgebaute, professionelle Arbeitsbeziehung zwischen Therapeut und Patient – und sie ist oft einer der wichtigsten Wirkfaktoren jeder Psychotherapie....

Warum habe ich meiner damaligen Freundin nichts von meiner Borderline-Störung gesagt und stattdessen Schluss gemacht?

Wahrscheinlich nicht, weil sie dich „nicht verstanden hätte“, sondern weil Nähe mit Borderline oft genau dann am schwersten wird, wenn Verständnis möglich wäre: Of...

Warum hat sich mein Leben seit 2 Jahren so stark verändert und ich bin nach Beziehungsaus und dem Tod meiner Mutter allein?

Du bist gerade nicht „kaputt“, sondern mehrfach gleichzeitig in Verlust, Schuld und Einsamkeit geraten — und genau diese Kombination zieht vielen Menschen den Boden weg. Entscheidend...

Was ist eine Deckerinnerung in der Psychoanalyse?

Eine Deckerinnerung ist in der Psychoanalyse eine scheinbar banale Kindheitserinnerung, die eine emotional wichtigere, meist verdrängte Erfahrung verdeckt. Entscheidend ist: Die Erinnerung gilt n...

Wie wird mentalisierungsbasierte Therapie bei Narzissmus angewendet?

Mentalisierungsbasierte Therapie bei Narzissmus setzt nicht direkt am „Ego“ an, sondern an der gestörten Fähigkeit, eigene Gefühle und die Absichten anderer realistisch zu v...