Kann bei der Annahme eines allwissenden Gottes der freie Wille des Menschen existieren, wenn Gott erst durch menschliches Verhalten etwas erfährt?

Antwort

Deine Überlegung bezieht sich auf das klassische philosophische Problem des freien Willens im Zusammenhang mit einem allwissenden Gott. Die Argumentation läuft oft so: 1. **Allwissenheit Gottes:** Wenn Gott allwissend ist, weiß er alles, was in der Zukunft passieren wird – also auch jede Entscheidung, die ein Mensch treffen wird. 2. **Freier Wille:** Freier Wille bedeutet, dass Menschen echte Wahlmöglichkeiten haben und sich auch anders entscheiden könnten. 3. **Konflikt:** Wenn Gott aber schon im Voraus weiß, wie du dich entscheidest, scheint es, als könntest du dich gar nicht anders entscheiden – sonst hätte Gott sich geirrt, was seiner Allwissenheit widersprechen würde. Deine Aussage „dass Gott erst etwas weiß durch menschliches Verhalten, schließe ich aus“ bedeutet, dass du nicht glaubst, dass Gottes Wissen von menschlichem Verhalten abhängt (also Gott nicht erst durch Beobachtung lernt, was passiert). Das ist die klassische Sicht der Allwissenheit: Gott weiß alles unabhängig von der Zeit und unabhängig davon, was Menschen tun. **Fazit:** Wenn man annimmt, dass Gott wirklich allwissend ist und sein Wissen nicht von menschlichem Verhalten abhängt, dann scheint es tatsächlich so, dass der freie Wille eingeschränkt ist – denn alles steht schon fest und ist Gott bekannt. Viele Philosophen und Theologen haben versucht, dieses Problem zu lösen (z.B. durch den Begriff der „Kompatibilisten“ oder durch die Annahme, dass Gottes Wissen und menschlicher Wille auf eine Weise zusammenpassen, die wir nicht ganz verstehen). Deine Schlussfolgerung ist also eine mögliche, logisch nachvollziehbare Position in dieser Debatte. Es gibt aber auch andere Sichtweisen, die versuchen, beide Annahmen miteinander zu vereinbaren.

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