Was meint Slavoj Žižek mit der Aussage, dass Gott nicht an Gott glaubt?

Antwort

Slavoj Žižek beschäftigt sich in seinem Buch „Warum Gott nicht an Gott glaubt“ (Originaltitel: „The Puppet and the Dwarf: The Perverse Core of Christianity“) mit einer radikalen Lesart des Christentums und der Gottesfrage. Sein zentrales Argument ist, dass das Christentum – anders als oft angenommen – nicht einfach einen allmächtigen, allwissenden Gott propagiert, sondern einen Gott, der selbst einen Mangel, eine Leere, eine „Nicht-Ganzheit“ in sich trägt. Žižek greift dabei auf psychoanalytische und philosophische Theorien zurück, insbesondere auf Hegel und Lacan. Er behauptet, dass im Christentum mit der Kreuzigung Christi ein einzigartiger Moment stattfindet: Gott wird Mensch und stirbt am Kreuz. In diesem Moment erfährt Gott selbst Verlassenheit und Zweifel – „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15,34). Für Žižek ist das der radikale Kern: Gott selbst erfährt die Abwesenheit Gottes, Gott glaubt in diesem Moment nicht an sich selbst. Damit krempelt Žižek klassische theologische Argumente um. Er sagt nicht, dass Gott nicht existiert, sondern dass der christliche Gott selbst durch einen Akt des Zweifels und der Selbstentäußerung gekennzeichnet ist. Das bedeutet: Der Glaube ist nicht die Gewissheit eines allmächtigen Wesens, sondern das Durchleben von Zweifel, Mangel und Bruch – und das gilt sogar für Gott selbst. Žižek will damit zeigen, dass der wahre Kern des Christentums nicht in der metaphysischen Vorstellung eines perfekten Gottes liegt, sondern in der radikalen Annahme von Mangel, Zweifel und Endlichkeit – und dass dies sogar Gott selbst betrifft. Gott glaubt nicht an Gott, weil er im Moment der Kreuzigung selbst den Zweifel und die Verlassenheit erfährt, die auch den menschlichen Glauben prägen. Mehr zu Slavoj Žižek: https://de.wikipedia.org/wiki/Slavoj_%C5%BDi%C5%BEek

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