Mit welchen Argumenten lehnen Juden Christus als Gottessohn ab?

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Im Judentum wird Jesus von Nazareth nicht als Gottessohn oder Messias anerkannt. Die Ablehnung Jesu als Gottessohn beruht auf mehreren theologischen und historischen Argumenten: 1. **Messias-Erwartung:** Im Judentum gibt es klare Vorstellungen darüber, was der Messias sein und tun wird. Der Messias soll ein menschlicher Nachkomme König Davids sein, der das jüdische Volk sammelt, den Tempel in Jerusalem wieder aufbaut, Frieden bringt und die Welt zur Erkenntnis Gottes führt. Da diese Erwartungen nach jüdischer Auffassung zu Jesu Lebzeiten nicht erfüllt wurden, wird er nicht als Messias anerkannt. 2. **Gottesbild:** Das Judentum betont den strengen Monotheismus (Schma Jisrael: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig“ – 5. Mose 6,4). Die Vorstellung, dass Gott Mensch werden könnte oder einen „Sohn“ im wörtlichen Sinne hat, widerspricht dem jüdischen Gottesverständnis. 3. **Prophetie und Offenbarung:** Nach jüdischer Lehre ist die Tora (die fünf Bücher Mose) die endgültige und vollständige Offenbarung Gottes an das jüdische Volk. Spätere Offenbarungen oder neue Bündnisse, wie sie im Christentum angenommen werden, werden nicht akzeptiert. 4. **Historische Entwicklung:** Die Trennung zwischen Judentum und Christentum erfolgte erst nach Jesu Tod. Die jüdische Gemeinschaft hat Jesus als religiöse Autorität nicht anerkannt und seine Lehren nicht übernommen. Diese Argumente sind zentrale Bestandteile der jüdischen Theologie und erklären, warum das Judentum Jesus nicht als Gottessohn oder Messias sieht. Weitere Informationen findest du beispielsweise bei der [Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland](https://www.zentralratderjuden.de/) oder auf [Jüdische Allgemeine](https://www.juedische-allgemeine.de/).

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