Wie wurde Nietzsche in der DDR interpretiert?

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Friedrich Nietzsche wurde in der DDR lange Zeit kritisch bis ablehnend betrachtet. Die marxistisch-leninistische Ideologie, die das geistige Leben der DDR prägte, sah in Nietzsche einen Vertreter des bürgerlichen Individualismus und einen Vordenker des Faschismus. Besonders seine Konzepte wie der „Übermensch“ und der „Wille zur Macht“ wurden als reaktionär und antisozialistisch interpretiert. In den 1950er und 1960er Jahren war Nietzsche in der DDR weitgehend tabuisiert. Seine Werke wurden selten veröffentlicht, und wenn, dann meist mit kritischen Kommentaren versehen. Nietzsche galt als „Philosoph des Imperialismus“ und als Wegbereiter des Nationalsozialismus. Diese Sichtweise stützte sich auf die marxistische Kritik, die Nietzsche als Gegner des Sozialismus und als Feind der Arbeiterbewegung einordnete. Ab den 1970er Jahren begann sich das Bild langsam zu differenzieren. Einige Philosophen und Literaturwissenschaftler in der DDR, wie z.B. Wolfgang Harich, setzten sich intensiver mit Nietzsche auseinander und versuchten, seine Schriften auch jenseits der offiziellen Ideologie zu lesen. Es entstanden wissenschaftliche Arbeiten, die Nietzsche als bedeutenden Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und als wichtigen Denker der Moderne würdigten, ohne jedoch die grundsätzliche Distanz der Staatsideologie aufzugeben. Insgesamt blieb Nietzsche in der DDR ein umstrittener und ambivalent rezipierter Denker, dessen Werk zwar zunehmend wissenschaftlich diskutiert, aber nie vollständig rehabilitiert wurde. Erst nach der Wende 1989/90 wurde Nietzsche auch in Ostdeutschland wieder breiter und unvoreingenommener rezipiert.

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