Erläutere Agrippinische/Pyrrhonische Skepsis, Cartesische Skepsis, Induktionsskepsis, Regelskepsis und grenze sie ab.

Antwort

Die verschiedenen Formen der Skepsis, die du nennst, haben unterschiedliche Ursprünge und Schwerpunkte. eine kurze Erläung und Abgrenzung: 1. **Agrippinische/Pyrrhonische Skepsis**: Diese Form der Skepsis stammt von den antiken Skeptikern, insbesondere von Pyrrhon von Elis. Sie betont die Unmöglichkeit, zu sicherem Wissen zu gelangen. Agrippa formulierte fünf Wege, die Skepsis unterstützen: die Unendlichkeit der Argumente, die Relativität der Wahrnehmungen, die Unbeständigkeit der Meinungen, die Unmöglichkeit, zu einem endgültigen Urteil zu gelangen, und die Unfähigkeit, die Wahrheit zu erkennen. Pyrrhonische Skepsis zielt darauf ab, durch das Aussetzen von Urteilen (epoché) innere Ruhe (ataraxia) zu erreichen. 2. **Cartesische Skepsis**: Diese Form der Skepsis ist mit René Descartes verbunden. Sie wird oft als methodische Skepsis bezeichnet, da Descartes systematisch alles in Frage stellte, um zu einem unbestreitbaren Fundament des Wissens zu gelangen. Sein berühmtes "Cogito, ergo sum" ("Ich denke, also bin ich") ist das Ergebnis dieser Skepsis. Descartes wollte durch radikales Zweifeln zu sicherem Wissen gelangen, im Gegensatz zur Pyrrhonischen Skepsis, die das Wissen als grundsätzlich unerreichbar ansieht. 3. **Induktionsskepsis**: Diese Skepsis bezieht sich auf die Probleme der Induktion, die insbesondere von David Hume thematisiert wurden. Hume argumentierte, dass induktive Schlüsse (z.B. aus beobachteten Fällen auf allgemeine Gesetze) nicht rational gerechtfertigt werden können, da sie auf der Annahme beruhen, dass die Zukunft der Vergangenheit ähnelt. Induktionsskepsis hinterfragt also die Gültigkeit induktiver Argumente und die Möglichkeit, aus Einzelfällen allgemeine Schlüsse zu ziehen. 4. **Regelskepsis**: Diese Form der Skepsis bezieht sich auf die Infragestellung von Regeln oder Normen, die in der Wissenschaft oder Ethik verwendet werden. Regelskepsis kann sich auf die Frage konzentrieren, ob bestimmte Methoden oder Prinzipien tatsächlich zu verlässlichem Wissen führen oder ob sie willkürlich sind. Sie ist oft mit der kritischen Analyse von wissenschaftlichen Methoden verbunden und hinterfragt die Grundlagen, auf denen Regeln basieren. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Agrippinische/Pyrrhonische Skepsis das Wissen als unerreichbar ansieht, während die Cartesische Skepsis versucht, durch methodisches Zweifeln zu sicherem Wissen zu gelangen. Induktionsskepsis hinterfragt die Gültigkeit induktiver Schlüsse, und Regelskepsis stellt die Grundlagen von Regeln und Normen in Frage.

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