Welche Lokal-, Regional- oder Infiltrationsanästhesie-Verfahren gibt es zur Behandlung von Rippenserienfrakturen oder schweren Rippenprellungen?

Antwort

Ja, es gibt verschiedene lokale, regionale und Infiltrationsanästhesie-Verfahren zur Behandlung von Patienten mit Rippenserienfrakturen oder massiven Rippenprellungen. Ziel dieser Verfahren ist es, die Schmerzen effektiv zu lindern, die Atemmechanik zu verbessern und Komplikationen wie Pneumonie zu vermeiden. **Gängige Verfahren sind:** 1. **Interkostalnervenblockade:** Hierbei wird ein Lokalanästhetikum gezielt in die Nähe der betroffenen Interkostalnerven injiziert, um die Schmerzleitung zu unterbrechen. Dies kann einzeln oder an mehreren Nerven durchgeführt werden. 2. **Paravertebralblockade:** Das Lokalanästhetikum wird in das paravertebrale Gewebe injiziert, wodurch mehrere Interkostalnerven gleichzeitig blockiert werden können. Diese Methode bietet eine effektive Schmerzlinderung bei Rippenverletzungen. 3. **Epiduralanästhesie:** Besonders bei ausgedehnten Rippenserienfrakturen kann eine thorakale Epiduralanästhesie eingesetzt werden. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Schmerzausschaltung über einen Katheter. 4. **Serratus-anterior-Block (Serratus-Plane-Block):** Ein relativ neues Verfahren, bei dem das Lokalanästhetikum in die Nähe des Nervus thoracicus longus und der lateralen Brustwand injiziert wird. Es eignet sich besonders für laterale Rippenfrakturen. 5. **Lokale Infiltration:** Direktes Injizieren von Lokalanästhetika in das verletzte Gewebe oder entlang der Frakturlinie. Dies ist meist bei kleineren, lokalisierten Verletzungen sinnvoll. **Fazit:** Regionale Anästhesieverfahren sind bei Rippenserienfrakturen und massiven Rippenprellungen eine etablierte und empfohlene Methode zur effektiven Schmerztherapie. Die Auswahl des Verfahrens hängt von Ausmaß und Lokalisation der Verletzung sowie vom Allgemeinzustand des Patienten ab. Weitere Informationen findest du z.B. bei der [Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI)](https://www.dgai.de/) oder in aktuellen Leitlinien zur Schmerztherapie bei Thoraxverletzungen.

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