Eine externe Kanzlei hat bei der Art.-28-DSGVO-Vendorauditierung nicht die Aufgabe, die Verantwortung zu übernehmen, sondern die Prüfung rechtlich zu strukturieren, zu dokumentieren und mit...
Kann ein Unternehmen bei Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO Regress beim Auftragsverarbeiter nehmen?
Antwort vomJa, das kann es grundsätzlich – aber nicht „automatisch“, sondern nur unter den Voraussetzungen des DSGVO-Haftungs- und des jeweiligen Vertrags-/Zivilrechtsrahmens. 1) **Außenhaftung gegenüber der betroffenen Person (Art. 82 DSGVO)** - **Verantwortlicher** und **Auftragsverarbeiter** können beide nach Art. 82 DSGVO haften, je nachdem, wer den Schaden durch einen DSGVO-Verstoß verursacht hat. - Sind **mehrere Beteiligte** für denselben Schaden verantwortlich, haften sie gegenüber der betroffenen Person **gesamtschuldnerisch** (Art. 82 Abs. 4 DSGVO). Das führt oft dazu, dass der Verantwortliche (das Unternehmen) in Anspruch genommen wird, obwohl der Fehler operativ beim Auftragsverarbeiter lag. 2) **Innenausgleich / Regress (Art. 82 Abs. 5 DSGVO)** - Hat ein Beteiligter den **vollen Schaden ersetzt**, kann er von den anderen Beteiligten den **Teil zurückverlangen, der deren Verantwortungsanteil entspricht** (Art. 82 Abs. 5 DSGVO). Das ist der DSGVO-eigene Regressmechanismus. - Maßgeblich ist die **tatsächliche Verantwortlichkeit**: Wer hat welchen Beitrag zum Verstoß geleistet (z.B. Weisungen, Auswahl-/Kontrollverschulden, technische/organisatorische Maßnahmen, Subunternehmersteuerung, Melde- und Mitwirkungspflichten) 3) **Wann Regress gegen den Auftragsverarbeiter typischerweise in Betracht kommt** - Der Schaden beruht auf einem **Pflichtverstoß des Auftragsverarbeiters** (z.B. unzureichende TOM, unzulässige Subunternehmer, Verarbeitung außerhalb dokumentierter Weisungen, fehlende Unterstützung bei Betroffenenrechten/Sicherheit). - Der Verantwortliche hat **nicht** selbst (mit-)verursacht, etwa durch: - rechtswidrige/unklare Weisungen, - mangelhafte Auswahl/Überwachung des Auftragsverarbeiters, - fehlende oder unzureichende vertragliche Vorgaben nach Art. 28 DSGVO. 4) **Vertraglicher Regress (Art. 28 DSGVO / AV-Vertrag)** - Zusätzlich zum Art. 82 Abs. 5 DSGVO stützt sich Regress in der Praxis häufig auf den **Auftragsverarbeitungsvertrag** (Schadensersatz, Freistellung/Indemnity, Haftungsregelungen). - **Haftungsbegrenzungen** im AV-Vertrag können den Regress **begrenzen**, sind aber nicht grenzenlos wirksam (insb. bei Vorsatz/grober Fahrlässigkeit nach nationalem Recht; außerdem dürfen sie die Rechte Betroffener nicht beschneiden, betreffen aber den Innenausgleich). 5) **Kurzfazit** Ein Unternehmen, das nach Art. 82 DSGVO zahlt, **kann** beim Auftragsverarbeiter **Regress nehmen**, **soweit** der Auftragsverarbeiter den Verstoß (mit-)verursacht hat und der Regress nicht durch wirksame vertragliche/nationale Haftungsregeln eingeschränkt ist. Maßgeblich ist die **Verantwortungsquote** im konkreten Fall. Rechtsgrundlagen: Art. 82 Abs. 1, 2, 4, 5 DSGVO; Art. 28 DSGVO.