Welche politische Kritik gibt es an Walter Benjamins 'Das Kunstwerk im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit'?

Antwort

Walter Benjamins Essay "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" hat zahlreiche Kritiken erfahren, insbesondere im Hinblick auf seine politischen Implikationen. Einige der zentralen Kritikpunkte sind: 1. **Romantisierung der Reproduzierbarkeit**: Kritiker argumentieren, dass Benjamin die Möglichkeiten der technischen Reproduzierbarkeit romantisiert und die negativen Aspekte, wie die Entwertung des Originals und die Kommerzialisierung von Kunst, nicht ausreichend berücksichtigt. 2. **Politische Instrumentalisierung**: Es wird angeführt, dass Benjamin die politische Dimension der Kunst nicht ausreichend analysiert. Während er die Möglichkeit sieht, dass Kunst durch Reproduzierbarkeit politisiert werden kann, bleibt unklar, wie diese Politizität konkret umgesetzt werden kann und welche politischen Strömungen davon profitieren könnten. 3. **Elitismus**: Einige Kritiker bemängeln, dass Benjamins Ansatz eine gewisse Elitismus in der Kunsttheorie fördert, indem er die Rolle des "Kunstwerks" und des "Künstlers" in den Vordergrund stellt, während die breitere gesellschaftliche und kulturelle Kontextualisierung vernachlässigt wird. 4. **Fehlende Berücksichtigung der Massenkultur**: Benjamins Analyse wird auch dafür kritisiert, dass sie die komplexe Beziehung zwischen Kunst und Massenkultur nicht ausreichend beleuchtet. Die Auswirkungen der Massenproduktion und -konsumtion auf die Kunst und deren politische Bedeutung bleiben in seiner Argumentation oft unberücksichtigt. 5. **Ambivalente Haltung zur Technik**: Benjamins ambivalente Haltung zur Technik wird als problematisch angesehen. Während er die positiven Aspekte der technischen Reproduzierbarkeit hervorhebt, wird kritisiert, dass er die Gefahren der Technologisierung und deren Einfluss auf die Gesellschaft nicht ausreichend thematisiert. Diese Kritikpunkte zeigen, dass Benjamins Werk zwar wegweisend ist, jedoch auch in einem breiteren politischen und sozialen Kontext betrachtet werden muss, um seine Relevanz und die möglichen Implikationen für die Kunst und Gesellschaft vollständig zu erfassen.

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