Ist bei PPMS mit EDSS 6,5 eine Rekonvaleszenz sinnvoll?

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**Ja – meist ist eine neurologische Rehabilitation sinnvoll, auch bei PPMS und EDSS 6,5. Entscheidend ist aber nicht das Wort „Rekonvaleszenz“, sondern ob ein konkretes Reha-Ziel erreichbar ist: besseres Gehen, weniger Stürze, mehr Selbstständigkeit, Hilfsmittelanpassung oder Umgang mit Fatigue und Blasenstörungen.** ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-050l_S2k_Diagnose-Therapie-Multiple-Sklerose-Neuromyelitis-Optica-Spektrum-MOG-IgG-assoziierte-Erkrankungen_2025-02.pdf)) ## Was bei EDSS 6,5 praktisch bedeutet EDSS 6,5 heißt in der Regel: Gehen ist nur noch mit beidseitiger Unterstützung über kurze Strecken möglich. Das ist bereits eine deutliche Behinderung, aber noch kein Stadium, in dem Reha grundsätzlich „nichts mehr bringt“. Die aktuelle deutsche MS-Leitlinie nennt multimodale Rehabilitation ausdrücklich als sinnvoll und berichtet Nutzen für Mobilität, Aktivität und Lebensqualität auch bei höherem Behinderungsgrad; in der Leitlinie wird der Bereich bis EDSS 7,5 ausdrücklich erwähnt. ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-050l_S2k_Diagnose-Therapie-Multiple-Sklerose-Neuromyelitis-Optica-Spektrum-MOG-IgG-assoziierte-Erkrankungen_2025-02.pdf)) Der wichtigste Punkt ist deshalb: Bei PPMS soll Reha nicht „heilen“, sondern Funktion erhalten, Verschlechterung bremsen und Komplikationen vermeiden. Genau das ist bei EDSS 6,5 oft besonders relevant, weil Stürze, Dekonditionierung, Kontrakturen, Druckstellen und Harnwegsprobleme dann deutlich mehr Einfluss auf den Alltag haben als die Grunderkrankung allein. ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-050l_S2k_Diagnose-Therapie-Multiple-Sklerose-Neuromyelitis-Optica-Spektrum-MOG-IgG-assoziierte-Erkrankungen_2025-02.pdf)) ## Wann eine Reha wirklich sinnvoll ist Sinnvoll ist sie vor allem, wenn mindestens eines davon zutrifft: - die Gehstrecke nimmt spürbar ab - Transfers, Treppen oder Toilettengänge werden unsicher - es gab Stürze oder Beinahe-Stürze - Spastik, Fatigue, Schmerzen oder Blasenprobleme begrenzen den Alltag - Hilfsmittel passen nicht mehr - Angehörige müssen deutlich mehr übernehmen - nach Infekt, Krankenhausaufenthalt oder längerer Inaktivität ist ein Funktionsverlust eingetreten Dann bringt eine gute neurologische Reha oft mehr als bloß „Erholung“, weil sie Physio, Ergo, Gangtraining, Hilfsmittelversorgung, Fatigue-Management und pflegerische Prävention kombiniert. ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-050l_S2k_Diagnose-Therapie-Multiple-Sklerose-Neuromyelitis-Optica-Spektrum-MOG-IgG-assoziierte-Erkrankungen_2025-02.pdf)) ## Wichtiger Unterschied: Reha ja, klassische „Kur“ eher nein Ein häufiger Denkfehler ist, Reha mit einer unspezifischen Erholungskur gleichzusetzen. Bei PPMS und EDSS 6,5 ist eine allgemeine Rekonvaleszenz ohne klares Therapiekonzept meist deutlich weniger sinnvoll als eine spezialisierte neurologische Rehabilitation. Der Unterschied ist praktisch groß: - **Kur/Rekonvaleszenz:** Erholung im Vordergrund - **Neurologische Reha:** messbare Ziele im Vordergrund Bei PPMS zählt die zweite Variante. Ohne konkrete Ziele verpufft der Nutzen oft schnell. Mit klaren Zielen kann selbst eine kleine Verbesserung – etwa sicherer vom Bett in den Rollstuhl wechseln oder 20 Meter stabiler gehen – den Alltag massiv erleichtern. ## Wann der Nutzen begrenzt ist Weniger sinnvoll ist eine stationäre Reha, wenn aktuell keine realistischen Ziele formulierbar sind, schwere Begleiterkrankungen die Belastbarkeit stark einschränken oder die Versorgung zu Hause bereits optimal organisiert ist und kein neuer Funktionsverlust vorliegt. Auch dann kann aber eine **ambulante** Reha, Heilmitteltherapie oder ein gezieltes Hilfsmittel-Assessment sinnvoller sein als gar nichts. Das ist oft der bessere Weg, wenn die Belastung durch eine stationäre Maßnahme zu hoch wäre. ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-050l_S2k_Diagnose-Therapie-Multiple-Sklerose-Neuromyelitis-Optica-Spektrum-MOG-IgG-assoziierte-Erkrankungen_2025-02.pdf)) ## Klare Empfehlung Bei **PPMS mit EDSS 6,5** sollte eine **neurologische Reha ernsthaft geprüft und meist eher befürwortet** werden – **wenn** es konkrete alltagsrelevante Ziele gibt. Nicht die Diagnose allein entscheidet, sondern ob sich Mobilität, Sicherheit, Selbstständigkeit oder Symptomkontrolle noch praktisch verbessern oder stabilisieren lassen. ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-050l_S2k_Diagnose-Therapie-Multiple-Sklerose-Neuromyelitis-Optica-Spektrum-MOG-IgG-assoziierte-Erkrankungen_2025-02.pdf)) Besonders sinnvoll ist das, wenn in den letzten Wochen oder Monaten ein spürbarer Abbau stattgefunden hat. Dann ist Abwarten meist die schlechtere Option, weil verlorene Funktion bei PPMS oft schwerer zurückkommt als bei schubförmiger MS.

Kategorie: Medizin Tags: PPMS EDSS Rekonvaleszenz

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