Welche Sichtweisen auf Inklusion gibt es?

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Es gibt verschiedene Sichtweisen auf Inklusion, die sich je nach wissenschaftlicher Disziplin, gesellschaftlichem Kontext und politischer Ausrichtung unterscheiden. Die wichtigsten Perspektiven sind: 1. **Pädagogische Sichtweise:** Inklusion bedeutet hier, dass alle Kinder – unabhängig von Behinderung, Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status – gemeinsam lernen. Ziel ist ein Bildungssystem, das Vielfalt als Normalität betrachtet und individuelle Förderung ermöglicht. 2. **Soziologische Sichtweise:** Inklusion wird als gesellschaftlicher Prozess verstanden, der darauf abzielt, Ausgrenzung (Exklusion) zu vermeiden. Gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen steht im Mittelpunkt, unabhängig von Unterschieden. 3. **Rechtliche Sichtweise:** Inklusion ist ein Menschenrecht, das in internationalen Abkommen wie der UN-Behindertenrechtskonvention verankert ist. Staaten sind verpflichtet, Barrieren abzubauen und gleichberechtigte Teilhabe zu gewährleisten. 4. **Ökonomische Sichtweise:** Inklusion wird auch unter dem Aspekt betrachtet, wie gesellschaftliche Teilhabe die wirtschaftliche Produktivität steigern kann, z.B. durch die Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt. 5. **Kritische Sichtweise:** Hier wird Inklusion hinterfragt, z.B. ob sie tatsächlich umgesetzt wird oder nur ein Ideal bleibt. Kritiker*innen betonen, dass strukturelle Barrieren und Vorurteile weiterhin bestehen und Inklusion nicht nur eine Frage der Integration in bestehende Systeme sein darf. 6. **Medizinische Sichtweise:** Inklusion wird aus der Perspektive von Diagnosen und individuellen Förderbedarfen betrachtet. Hier steht oft die Frage im Vordergrund, wie Menschen mit bestimmten Einschränkungen unterstützt werden können. Diese Sichtweisen überschneiden sich häufig und beeinflussen sich gegenseitig. Inklusion wird heute meist als umfassendes gesellschaftliches Konzept verstanden, das weit über den schulischen Bereich hinausgeht.

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