Warum zweifeln Traditionalisten die Heiligsprechung von Paul VI. und Johannes Paul II. an – liegen die Gründe in deren Person oder im Verfahren?

Antwort

Die Zweifel von Traditionalisten an der Heiligsprechung von Paul VI. und Johannes Paul II. beruhen sowohl auf persönlichen Aspekten der Päpste als auch auf dem Verfahren der Heiligsprechung selbst. **1. Gründe in der Person:** - **Paul VI.**: Er war maßgeblich für die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) verantwortlich, das viele liturgische und kirchliche Reformen brachte. Traditionalisten kritisieren insbesondere die Liturgiereform (Einführung des Novus Ordo Missae 1969), die sie als Bruch mit der Tradition sehen. - **Johannes Paul II.**: Auch er setzte die Reformen des Konzils fort und war für seine ökumenischen und interreligiösen Initiativen bekannt (z.B. das Gebetstreffen in Assisi 1986). Manche Traditionalisten sehen darin eine Relativierung des katholischen Glaubens und kritisieren zudem seine Haltung zu bestimmten moraltheologischen Fragen. **2. Gründe im Verfahren:** - **Verkürzte Verfahren**: Besonders bei Johannes Paul II. wurde das Verfahren zur Heiligsprechung stark beschleunigt („Santo subito“-Rufe nach seinem Tod, Seligsprechung bereits 2011, Heiligsprechung 2014). Kritiker bemängeln, dass die übliche Wartezeit und gründliche Prüfung verkürzt wurden. - **Wunderprüfung**: Es gibt Zweifel an der Strenge und Nachvollziehbarkeit der Wunder, die für die Heiligsprechung anerkannt wurden. - **Abschaffung des „Advocatus Diaboli“**: Die Rolle des „Teufelsanwalts“, der früher gezielt nach Gegenargumenten suchte, wurde abgeschwächt, was nach Ansicht von Traditionalisten die kritische Prüfung erschwert. **Fazit:** Die Kritik der Traditionalisten bezieht sich sowohl auf die umstrittenen Reformen und das Wirken der Päpste als auch auf die als zu schnell und zu wenig kritisch empfundene Durchführung der Heiligsprechungsverfahren. Weitere Informationen zu den Heiligsprechungen findest du z.B. auf der offiziellen Seite des Vatikans: https://www.vatican.va/

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