Viele Menschen denken nicht deshalb „nicht gründlich“, weil sie dumm wären, sondern weil gründliches Denken anstrengend, langsam und im Alltag oft unpraktisch ist. Das Gehi...
Worin unterscheiden sich Ich-Störung und Wahn beim inhaltlichen Denken?
Antwort vomDie Ich-Störung und der Wahn sind beides psychopathologische Phänomene, die das inhaltliche Denken betreffen, unterscheiden sich jedoch grundlegend: **Ich-Störung (Ich-Störungen, Ich-Erlebnisstörungen):** - Hierbei ist die Grenze zwischen dem eigenen Ich und der Umwelt oder zwischen dem Ich und dem eigenen Erleben gestört. - Typische Formen sind Gedankenentzug, Gedankeneingebung, Gedankenlautwerden oder das Gefühl, dass eigene Gedanken oder Handlungen von außen beeinflusst werden. - Die Betroffenen erleben ihre Gedanken, Gefühle oder Handlungen nicht mehr als zu sich selbst gehörig, sondern als fremd oder von außen gemacht. - Beispiel: „Meine Gedanken werden mir weggenommen“ oder „Jemand legt mir Gedanken in den Kopf.“ **Wahn (Wahninhalte):** - Ein Wahn ist eine inhaltliche Denkstörung, bei der die Betroffenen mit absoluter Überzeugung an falschen, der Realität nicht entsprechenden Vorstellungen festhalten. - Diese Überzeugungen sind nicht durch logische Argumente oder gegenteilige Erfahrungen zu erschüttern. - Typische Wahnthemen sind Verfolgungswahn, Größenwahn, Eifersuchtswahn, Beziehungswahn usw. - Beispiel: „Ich werde vom Geheimdienst überwacht“ oder „Ich bin der König von Deutschland.“ **Unterschiede im inhaltlichen Denken:** - Bei der Ich-Störung ist das zentrale Problem die gestörte Abgrenzung zwischen Ich und Nicht-Ich, das Erleben der eigenen Gedanken oder Handlungen als fremd oder beeinflusst. - Beim Wahn ist das zentrale Problem eine inhaltlich falsche, aber subjektiv absolut wahre Überzeugung, die nicht korrigierbar ist. **Zusammengefasst:** - **Ich-Störung:** Störung der Ich-Grenze, Erleben von Gedanken/Handlungen als fremd. - **Wahn:** Falsche, nicht korrigierbare Überzeugung über die Realität. Weitere Informationen findest du z.B. bei [DGPPN](https://www.dgppn.de/) oder im [Psychiatrie-Lexikon](https://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/lexikon.html).
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