Gruppendynamik in der Jugendhilfe beschreibt die Prozesse und Wechselwirkungen, die innerhalb von Gruppen junger Menschen entstehen, wenn sie gemeinsam betreut, gefördert oder begleitet werden. I...
Bions gruppenpsychotherapeutische Theorie (v. a. aus *Experiences in Groups*, 1961) beschreibt, dass in jeder Gruppe zwei Ebenen gleichzeitig ablaufen: 1) **Arbeitsgruppe (Work Group, WG)** Die „reife“ Ebene: Die Gruppe kann Realität prüfen, denken, planen, lernen und auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Affekte werden eher verarbeitet als ausagiert. 2) **Grundannahme‑Gruppe (Basic Assumption, BA)** Eine unbewusste, „primitive“ Gruppenmentalität, die bei Angst/Unsicherheit die Arbeitsgruppe stört. Bion unterscheidet drei typische Grundannahmen: - **Abhängigkeit (Dependency)**: Die Gruppe verhält sich, als müsse ein Führer/„Retter“ sie versorgen und lösen; Eigenverantwortung sinkt. - **Kampf‑Flucht (Fight‑Flight)**: Die Gruppe organisiert sich um Angriff oder Vermeidung; es braucht einen Feind oder ein Bedrohungsszenario. - **Paarbildung (Pairing)**: Hoffnung wird auf ein „besonderes Paar“/eine kommende Idee projiziert, die später Erlösung bringen soll; Gegenwartsarbeit wird vertagt. 3) **Valenz (Valency)** Individuen haben eine unterschiedliche Bereitschaft, sich in eine Grundannahme „einzuklinken“; dadurch stabilisieren sich BA‑Zustände. 4) **Container–Contained (Behälter–Beinhaltetes)** Zentrales therapeutisches Prinzip: Leitung/Therapeut fungiert als „Container“ für unbearbeitete Affekte/Ängste der Gruppe, nimmt sie auf, „verdaut“ sie (Denken statt Agieren) und gibt sie in verstehbarer Form zurück. 5) **Projektive Identifizierung & Gruppenprojektionen** Unverträgliche innere Zustände werden in andere Personen oder die Leitung „hineingelegt“; die Gruppe erzeugt Rollen (Sündenbock, Retter etc.), die das Unbewusste organisieren. 6) **Alpha‑Funktion / Denken** Rohaffekte („Beta‑Elemente“) müssen in denk‑ und symbolisierbare Erfahrungen („Alpha‑Elemente“) verwandelt werden; in BA‑Zuständen bricht diese Denkfähigkeit eher ein. 7) **Rolle der Leitung/Intervention** Fokus auf das **Hier‑und‑Jetzt** der Gruppenprozesse: weniger „Ratschläge“, mehr Deutung der aktuellen Grundannahme, der Abwehrorganisation und der Beziehungsmuster, um die Arbeitsgruppe wiederherzustellen. Diese Ansätze erklären, wie Gruppen unter Stress regressiv in unbewusste Muster kippen und wie therapeutische Leitung durch Containment und Prozessdeutung die Denk‑ und Arbeitsfähigkeit der Gruppe stärkt.
Gruppendynamik in der Jugendhilfe beschreibt die Prozesse und Wechselwirkungen, die innerhalb von Gruppen junger Menschen entstehen, wenn sie gemeinsam betreut, gefördert oder begleitet werden. I...
Sigmund Freud war ein Pionier der Psychologie und hat mit seiner Psychoanalyse das Verständnis des menschlichen Geistes maßgeblich geprägt. Aus heutiger Sicht gibt es Bereiche, in dene...
Sigmund Freud entwickelte seine Angsttheorie ab etwa 1885 und veränderte sie im Laufe seiner Karriere mehrfach. In der frühen Phase (um 1885) unterschied Freud zunächst zwischen „...