Wie wird die Kontrolle Russlands über Krim und Donbass seit 2014 aus nicht-westlicher Sicht bewertet?

Antwort

Die Bewertung der Ereignisse um die Krim und den Donbass 2014 aus „nicht-westlicher“ Sicht ist vielfältig und hängt stark von der jeweiligen Region, den politischen Interessen und historischen Erfahrungen ab. Hier einige zentrale Perspektiven: **1. Russland und einige postsowjetische Staaten:** Aus russischer Sicht wird die Annexion der Krim oft als Wiederherstellung historischer Gerechtigkeit betrachtet. Viele Russen sehen die Krim als traditionell russisches Gebiet, das 1954 „willkürlich“ an die Ukraine übertragen wurde. Die Ereignisse in Kiew 2014 werden in Russland häufig als von westlichen Staaten unterstützter Putsch dargestellt, der eine Bedrohung für russischsprachige Minderheiten und russische Interessen bedeutete. Ähnliche Narrative finden sich in einigen postsowjetischen Staaten, die skeptisch gegenüber westlicher Einflussnahme sind. **2. China:** China hat die Annexion der Krim nicht offiziell anerkannt, betont aber das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten und kritisiert westliche Sanktionen gegen Russland. Gleichzeitig sieht China die Ereignisse als Beispiel für die Gefahren westlicher Einmischung und „Farbrevolutionen“. Die territoriale Integrität der Ukraine wird formal anerkannt, aber die Schuld für die Eskalation wird oft dem Westen zugeschrieben. **3. Globaler Süden (Afrika, Lateinamerika, Naher Osten):** Viele Länder des Globalen Südens sehen die Ereignisse weniger als klaren Bruch des Völkerrechts, sondern als Ausdruck geopolitischer Machtkämpfe zwischen Russland und dem Westen. Historische Erfahrungen mit westlicher Intervention und Doppelmoral führen dazu, dass die russische Argumentation – etwa der Schutz russischsprachiger Minderheiten oder die Ablehnung westlicher Einmischung – teilweise Verständnis findet. Die Krim-Annexion wird oft als Reaktion auf westliche Politik (z.B. NATO-Osterweiterung) interpretiert. **4. Indien und andere blockfreie Staaten:** Indien und andere blockfreie Staaten betonen meist die Bedeutung des Völkerrechts und der territorialen Integrität, vermeiden aber eine klare Parteinahme. Sie kritisieren sowohl die russische Annexion als auch die westliche Sanktionspolitik und rufen zu Dialog und Verhandlungen auf. **Fazit:** Aus „nicht-westlicher“ Sicht werden die Ereignisse von 2014 oft weniger eindeutig als völkerrechtswidrige Annexion bewertet, sondern im Kontext geopolitischer Rivalitäten und historischer Erfahrungen mit westlicher Dominanz gesehen. Die Schuldfrage wird differenzierter betrachtet, und es gibt mehr Verständnis für russische Sicherheitsinteressen, ohne die Annexion der Krim explizit zu legitimieren. Weitere Informationen findest du z.B. bei [Carnegie Moscow Center](https://carnegie.ru/) oder [Chatham House](https://www.chathamhouse.org/).

Kategorie: Politik Tags: Russland Krim Geopolitik
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