Vergleich des Menschenbildes bei Freud und Platon.

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Das Menschenbild nach Sigmund Freud und Platon unterscheidet sich grundlegend in seinen Annahmen über die menschliche Natur und die Motivation des Handelns. **Platon:** Platon, ein antiker griechischer Philosoph, vertrat die Auffassung, dass der Mensch aus drei Teilen besteht: dem rationalen Teil (Seele), dem emotionalen Teil (Mut) dem begehrenden Teil (Lust). In seinem Werk "Der Staat" beschreibt er die Idee der idealen Gesellschaft, in der die Vernunft (repräsentiert durch die Philosophen) die Herrschaft über die anderen Teile der Seele hat. Platon sieht den Menschen als ein Wesen, das nach dem Guten und Wahren strebt. Er betont die Bedeutung der Bildung und der Philosophie, um die Seele zu erheben und zu einem höheren Verständnis der Wahrheit zu gelangen. **Freud:** Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, hat ein ganz anderes Menschenbild entwickelt. Er sieht den Menschen als ein Wesen, das von unbewussten Trieben und Konflikten geprägt ist. Freud unterscheidet zwischen dem Es (Triebe und Instinkte), dem Ich (bewusste Entscheidungen) und dem Über-Ich (moralische Werte und Normen). Für Freud ist der Mensch oft in einem inneren Konflikt zwischen seinen Trieben und den gesellschaftlichen Erwartungen gefangen. Er betont die Rolle des Unbewussten und die Bedeutung von Kindheitserfahrungen für die Entwicklung der Persönlichkeit. **Vergleich:** - **Rationalität vs. Triebhaftigkeit:** Platon sieht den Menschen als rationales Wesen, das durch Vernunft geleitet werden sollte, während Freud den Menschen als von Trieben und unbewussten Prozessen bestimmt ansieht. - **Ziel des Lebens:** Bei Platon ist das Ziel des Lebens die Erkenntnis des Guten und die Erfüllung der eigenen Bestimmung durch Bildung. Freud hingegen sieht das Leben als einen Kampf zwischen verschiedenen inneren Kräften, wobei das Ziel oft die Befriedigung von Trieben ist. - **Gesellschaftliche Rolle:** Platon betont die Notwendigkeit einer idealen Gesellschaft, in der die Philosophen herrschen, während Freud die Konflikte zwischen individuellen Trieben und gesellschaftlichen Normen in den Vordergrund stellt. Insgesamt reflektieren die beiden Denker unterschiedliche Perspektiven auf die menschliche Natur, die sowohl philosophische als auch psychologische Dimensionen umfassen.

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