Was versteht Aristoteles unter Tugend als Mitte?

Antwort

Aristoteles beschreibt in seiner Ethik, insbesondere in der „Nikomachischen Ethik“, die Tugend als eine Mitte („mesotēs“) zwischen zwei Extremen. Diese Lehre ist als „Lehre von der Mitte“ oder „Mesotes-Lehre“ bekannt. Nach Aristoteles ist Tugend (aretē) eine Haltung, durch die der Mensch das richtige Maß im Handeln und Fühlen findet. Sie liegt zwischen einem Zuviel (Übermaß) und einem Zuwenig (Mangel). Zum Beispiel: - Mut ist die Mitte zwischen Tollkühnheit (Übermaß) und Feigheit (Mangel). - Freigebigkeit ist die Mitte zwischen Verschwendungssucht (Übermaß) und Geiz (Mangel). - Besonnenheit ist die Mitte zwischen Zügellosigkeit (Übermaß) und Gefühllosigkeit (Mangel). Diese Mitte ist nicht mathematisch exakt, sondern hängt von der jeweiligen Situation und der Person ab. Aristoteles betont, dass die tugendhafte Mitte „relativ zu uns“ ist, also individuell bestimmt werden muss. Zusammengefasst: Für Aristoteles ist Tugend die Fähigkeit, im Denken, Fühlen und Handeln das angemessene Maß zu finden – also die Mitte zwischen zwei Extremen.

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