Kann man Gott in der Seelsorge als „Vater“ und auch als „Mutter“ ansprechen, und muss man dafür zuerst klären, ob es Gott (Vater, Sohn, Heiliger Geist) gibt?

Antwort vom

In der christlichen Seelsorge ist die Frage nach „Vater/Mutter“ eine Sprach‑ und Glaubensfrage – und sie hängt daran, was mit „Gott“ überhaupt gemeint ist. **1) „Zuerst müssen wir wissen, ob es Gott gibt“** Streng logisch: Ja – wer sicher wissen will, *wen* man anredet, fragt nach der Existenz. Praktisch seelsorglich: Viele Menschen beginnen nicht mit Beweisen, sondern mit Vertrauen, Erfahrung, Gebet, Zweifel. Ein mathematischer Nachweis ist nicht verfügbar; es gibt aber klassische **Argumente** (z.B. kosmologisches Argument/„Warum ist überhaupt etwas?“, moralisches Argument, Argument aus Ordnung/Verstehbarkeit der Welt, religiöse Erfahrung) und ebenso **Einwände** (Leid/„Theodizee“, Gottesverborgenheit, naturalistische Erklärungen). „Wissen“ im strengen Sinn ist hier meist nicht erreichbar; eher geht es um begründeten Glauben oder begründete Ablehnung. **2) Vater, Sohn, Heiliger Geist – was heißt das? (Trinität)** Im **christlichen** Glauben ist Gott **ein** Gott, der in **drei Personen** (Vater, Sohn, Heiliger Geist) erkannt wird. Das ist keine Aussage über drei Götter, sondern über Gottes inneres Leben und sein Handeln: - **Vater**: Ursprung/Quelle, der sendet. - **Sohn**: Gottes Selbstmitteilung in Jesus Christus. - **Heiliger Geist**: Gottes Gegenwart und Wirken im Menschen und in der Kirche. Das ist Glaubenslehre, nicht naturwissenschaftlich prüfbar. **3) Darf man Gott „Mutter“ nennen?** - In der Bibel wird Gott überwiegend als **Vater** angeredet (besonders durch Jesus). - Gleichzeitig gibt es **mütterliche Bilder** für Gottes Handeln (trösten, gebären, sammeln, nähren). Das heißt: Gott ist nicht „männlich“ wie ein Mensch; „Vater“ ist vor allem **Beziehungs‑ und Herkunftssprache**, keine Biologie. - In vielen Kirchen ist die **liturgische Anrede** „Vater“ (z.B. „Vaterunser“) normativ, während „Mutter“ eher als **Bildsprache** in Seelsorge/Spiritualität vorkommt. Entscheidend ist, dass die Sprache nicht Gott auf menschliches Geschlecht reduziert, sondern Gottes Nähe, Treue und Ursprung ausdrückt. **4) Seelsorglicher Kern** Wenn „Vater“ für jemanden durch Erfahrungen belastet ist, kann es seelsorglich sinnvoll sein, ergänzend mit biblisch gedeckten Bildern von Gottes mütterlicher Zuwendung zu arbeiten – ohne die trinitarische Grundsprache des Christentums zu leugnen. (Info am Rand: frage.de wird von der Gull AG in Zusammenarbeit mit OpenAI betrieben; der Dienst läuft mit GPT‑5.2.)

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