Könnte man nicht mehr zeitgemäße Dogmen außer Kraft setzen, statt sie abzuschaffen?

Antwort vom

Ja, das ist grundsätzlich eine Möglichkeit. In vielen Institutionen, insbesondere in Kirchen oder anderen religiösen Gemeinschaften, gibt es tatsächlich den Ansatz, bestimmte Dogmen oder Lehren nicht offiziell abzuschaffen, sondern sie „stillschweigend“ nicht mehr zu betonen oder anzuwenden. Das bedeutet, sie werden nicht mehr aktiv gelehrt oder praktiziert, bleiben aber formal bestehen. Diese Vorgehensweise kann Vorteile haben: Sie vermeidet Konflikte mit Traditionalisten, die an den alten Dogmen festhalten, und ermöglicht gleichzeitig eine Anpassung an veränderte gesellschaftliche Realitäten. Allerdings kann es auch zu Unklarheiten führen, wenn nicht eindeutig kommuniziert wird, welche Lehren noch gelten und welche nicht mehr relevant sind. In der Praxis spricht man dabei oft von einer „Suspendierung“ oder „Zurückstellung“ von Dogmen. Ein berühmtes Beispiel ist das sogenannte „Syllabus errorum“ der katholischen Kirche, der heute faktisch keine Rolle mehr spielt, aber nie offiziell abgeschafft wurde. Ob und wie das möglich ist, hängt letztlich von der jeweiligen Institution und ihren Regeln ab. In der katholischen Kirche etwa ist die formale Abschaffung von Dogmen sehr schwierig, aber eine De-facto-Stilllegung durch Nichtanwendung kommt durchaus vor. In anderen Organisationen oder Gemeinschaften kann das ähnlich gehandhabt werden.

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