Wo in der Bibel wird eine Vergewaltigung berichtet und als gut geheißen dargestellt?

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In der Bibel werden Vergewaltigungen bzw. sexualisierte Gewalt mehrfach **berichtet**, aber **nicht als „gut geheißen“** im Sinn einer moralischen Billigung. Was es gibt, sind **Erzählungen**, in denen Täter nicht sofort bestraft werden, sowie **Gesetzestexte**, die aus heutiger Sicht problematisch wirken, weil sie den Fokus auf „Schande“, Eigentums-/Brautpreislogik oder Zwangsheirat legen. Die wichtigsten Stellen: **Berichte (Erzähltexte)** - **Genesis 34**: Dina und Sichem – Dina wird „genommen“/„geschändet“; der Text schildert die Tat und die Folgen, ohne sie zu loben. - **2. Samuel 13,1–22**: Amnon vergewaltigt Tamar – klar als Unrecht dargestellt; Tamar protestiert, Amnon handelt gewaltsam, die Folgen sind verheerend. - **Richter 19–20**: Die Nebenfrau des Leviten wird von Männern misshandelt/mehrfach vergewaltigt und stirbt – der Text ist eine Anklage gegen moralischen Verfall („jeder tat, was recht war in seinen Augen“), keine Billigung. - **2. Samuel 16,21–22** (vgl. 20,3): Absalom schläft öffentlich mit den Nebenfrauen Davids – Machtdemonstration/Erniedrigung; berichtet, nicht als gut dargestellt. **Gesetzestexte, die oft als „Billigung“ missverstanden werden** - **Deuteronomium 22,23–29**: Unterscheidet Fälle (verlobt/unverlobt; Stadt/Feld). Besonders **V. 28–29** wird kritisiert: Bei Sex mit einer unverlobten Jungfrau muss der Mann zahlen und sie „zur Frau nehmen“ und darf sie nicht entlassen. Das ist eher eine antike Schadens-/Versorgungsregel in patriarchaler Ordnung, wirkt aber aus heutiger Sicht wie Täterbegünstigung. - **Exodus 22,15–16** (hebr. Zählung oft 22,16–17): Ähnliche Regel zu Brautpreis/Heirat nach „Verführung“/Sex; je nach Übersetzung wird das als einvernehmlich oder als Zwang gelesen, ist aber ebenfalls problematisch. **Wichtig zur Einordnung** - „Berichtet“ heißt nicht „gebilligt“: Viele biblische Texte schildern Gewalt als Teil einer kaputten Realität, ohne sie moralisch zu empfehlen. - Die problematischsten Passagen sind meist **Rechtsnormen in einer antiken patriarchalen Gesellschaft**, nicht Lobreden auf die Tat. Wenn du „gut geheißen“ im Sinn von „Gott befiehlt/fordert Vergewaltigung“, wird häufig **Numeri 31,17–18** diskutiert (Kriegsgewalt/„Jungfrauen behalten“); auch hier ist es ein extrem schwieriger Text, aber er ist kein allgemeines „Gutheißen“ von Vergewaltigung als moralischem Ideal, sondern ein Kriegs-/Beuteregel-Kontext, der heute ethisch stark kritisiert wird.

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