Eine Mehrheitsdiktatur ist keine normale Demokratie, sondern eine Herrschaft, in der die Mehrheit ihren Willen ohne wirksame Grenzen durchsetzt und Minderheitenrechte praktisch aushebelt. In einer fu...
Vergleich von KPD und NSDAP sowie Zentrum und SPD: Welche Aussagen zur Zufriedenheit mit der Demokratie lassen sich ableiten und welche Folgen hatte das für die Politik?
Antwort vom**KPD und NSDAP gewannen vor allem Stimmen von Wählern, die mit der Weimarer Demokratie unzufrieden oder offen ablehnend waren; Zentrum und SPD standen dagegen deutlich stärker für demokratische Stabilisierung. Daraus lässt sich ableiten: Je stärker die Krisen wurden, desto mehr verlor die Demokratie Rückhalt gerade an ihren politischen Rändern.** ## Vergleich der Parteien **KPD und NSDAP** unterschieden sich ideologisch stark, hatten aber einen entscheidenden gemeinsamen Punkt: Beide lehnten die bestehende parlamentarische Demokratie im Kern ab. - **KPD**: wollte die Weimarer Republik durch ein kommunistisches System ersetzen. - **NSDAP**: wollte die Demokratie beseitigen und eine nationalsozialistische Diktatur errichten. Beide Parteien profitierten deshalb besonders von Protest, Abstiegsängsten, Wut auf das politische System und dem Eindruck, dass demokratische Regierungen die Krisen nicht lösen konnten. **Zentrum und SPD** waren dagegen keine radikalen Systemgegner, sondern tragende Parteien der Republik. - **SPD**: klar pro Republik, parlamentarisch und demokratisch. - **Zentrum**: ebenfalls grundsätzlich republiktreu, wenn auch oft stärker auf Ausgleich, Ordnung und konfessionelle Interessen bedacht. Der wichtige Unterschied ist also: **KPD und NSDAP sammelten vor allem Demokratiegegner und Protestwähler, SPD und Zentrum eher Wähler, die an parlamentarischen Lösungen festhalten wollten.** ## Aussage über die Zufriedenheit mit der Demokratie Aus diesem Vergleich lässt sich ableiten, dass die **Zufriedenheit mit der Demokratie in der späten Weimarer Republik gering war und deutlich abnahm**. Denn wenn Parteien mit offen oder faktisch antidemokratischen Zielen stark zulegen, zeigt das: - viele Bürger vertrauten dem demokratischen System nicht mehr, - viele hielten demokratische Kompromisse für schwach oder wirkungslos, - Krisen wie Arbeitslosigkeit, Inflationserfahrungen und politische Instabilität beschädigten die Akzeptanz der Republik massiv. Wichtig ist aber ein Unterschied: **Nicht jeder NSDAP- oder KPD-Wähler war überzeugter Feind der Demokratie.** Viele wählten aus Protest. Politisch wirkte das aber gleich gefährlich, weil dadurch antidemokratische Kräfte massiv gestärkt wurden. ## Folgen für die Politik Die politischen Folgen waren gravierend: - **Zersplitterung des Parteiensystems**: stabile Mehrheiten im Reichstag wurden immer schwieriger. - **Schwächung demokratischer Regierungen**: SPD, Zentrum und andere gemäßigte Kräfte verloren an Einfluss. - **Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung**: Kompromisse wurden schwerer, Feindbilder stärker. - **Zunahme von Präsidialkabinetten**: statt parlamentarischer Mehrheiten regierten Kanzler immer öfter mit Notverordnungen des Reichspräsidenten. - **Legitimationsverlust des Parlaments**: viele Menschen sahen den Reichstag nicht mehr als Problemlöser. - **Machtgewinn der NSDAP**: am Ende wurde nicht die Demokratie stabilisiert, sondern ihr Abbau politisch möglich gemacht. ## Entscheidend für die Einordnung Die wichtigste Schlussfolgerung ist: **Der Wahlerfolg von KPD und NSDAP war nicht nur ein Zeichen allgemeiner Unzufriedenheit, sondern ein direkter Hinweis darauf, dass große Teile der Bevölkerung das Vertrauen in demokratische Politik verloren hatten.** Genau das machte die Weimarer Republik am Ende politisch handlungsunfähig und öffnete den Weg zur Diktatur.
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