Was meint Rawls mit der zweiten Vorrangregel?

Antwort vom

John Rawls, ein bedeutender politischer Philosoph, formulierte in seinem WerkEine Theorie der Gerechtigkeit" zwei Vorrangregeln, die die Priorität bestimmter Prinzipien der Gerechtigkeit festlegen. Die zweite Vorrangregel, auch als "Vorrang der Gerechtigkeit vor Effizienz und Wohlfahrt" bekannt, besagt, dass die Prinzipien der Gerechtigkeit Vorrang vor Überlegungen der sozialen und wirtschaftlichen Effizienz sowie der Wohlfahrt haben. Konkret bedeutet dies, dass die Grundfreiheiten und die Chancengleichheit nicht zugunsten von wirtschaftlichem Wachstum oder einer Erhöhung des allgemeinen Wohlstands eingeschränkt werden dürfen. Die zweite Vorrangregel stellt sicher, dass die Verteilung von Rechten und Pflichten in einer Gesellschaft nicht durch utilitaristische Überlegungen beeinträchtigt wird, sondern dass die Gerechtigkeit als oberstes Prinzip gewahrt bleibt.

Verwandte Fragen

Was versteht Rawls unter der ersten Vorrangregel?

John Rawls formuliert in seinem Werk „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ (engl. „A Theory of Justice“) zwei Grundsätze der Gerechtigkeit. Die sogenannten „Vorrangregeln...

Warum erfordert eine Leistung grundsätzlich eine Gegenleistung?

Nein – eine Leistung muss nicht grundsätzlich eine Gegenleistung erfordern. Das gilt nur in bestimmten rechtlichen oder wirtschaftlichen Zusammenhängen; im Alltag, moralisch und sogar...

Zu welcher der drei Güterarten gehört Gerechtigkeit bei Glaukon und Sokrates in Platons Politeia?

Glaukon und Sokrates ordnen Gerechtigkeit bewusst unterschiedlich ein: Glaukon behandelt sie zunächst wie ein lästiges Mittel zum Zweck, Sokrates verteidigt sie als Gut der höchsten Art...