Sokrates selbst gehörte keiner bestimmten philosophischen Schule an. Er gilt vielmehr als Begründer der sokratischen Methode und als eine der zentralen Figuren der klassischen griechischen P...
Zu welcher der drei Güterarten gehört Gerechtigkeit bei Glaukon und Sokrates in Platons Politeia?
Antwort vom**Glaukon und Sokrates ordnen Gerechtigkeit bewusst unterschiedlich ein: Glaukon behandelt sie zunächst wie ein lästiges Mittel zum Zweck, Sokrates verteidigt sie als Gut der höchsten Art – also als etwas, das sowohl an sich als auch wegen seiner Folgen wertvoll ist.** ## Die drei Güterarten In der *Politeia* unterscheidet Sokrates drei Arten von Gütern: 1. **Güter, die man nur um ihrer selbst willen liebt** Beispiel: Freude. 2. **Güter, die man sowohl um ihrer selbst willen als auch wegen ihrer Folgen liebt** Beispiel: Gesundheit, Einsicht, Sehen. 3. **Güter, die man nicht an sich, sondern nur wegen ihrer Folgen will** Beispiel: Medizin, Geldverdienen, anstrengende Behandlungen. ## Was sagt Glaukon Glaukon behauptet nicht einfach seine eigene Überzeugung, sondern stellt die verbreitete Meinung dar, die Sokrates widerlegen soll. Für diese gewöhnliche Auffassung gehört **Gerechtigkeit zur dritten Güterart**: Man ist gerecht **nicht, weil Gerechtigkeit an sich gut wäre**, sondern weil man Strafe, Rufschaden und Unrecht von anderen vermeiden will. Die praktische Konsequenz bei Glaukon ist klar: **Wenn jemand ungerecht sein könnte, ohne Nachteile zu erleiden, würde er es nach dieser Sicht auch tun.** Genau das illustriert Glaukon mit dem Ring des Gyges. ## Was sagt Sokrates Sokrates sagt, Gerechtigkeit gehöre zur **zweiten Güterart**. Das ist der entscheidende Punkt: **Gerechtigkeit ist für ihn nicht bloß nützlich, sondern macht die Seele selbst gut geordnet.** Deshalb ist sie schon an sich wertvoll – und zusätzlich auch wegen ihrer guten Folgen. Sokrates’ eigentliche These ist also stärker als eine bloße Moralregel: Ein gerechter Mensch lebt nicht nur sozial besser, sondern **ist innerlich besser verfasst**. Ungerechtigkeit schädigt nach seiner Auffassung die Seele, selbst wenn der Ungerechte äußerlich Erfolg hat. ## Der entscheidende Unterschied Glaukon beschreibt die **Mehrheitsmeinung**: Gerechtigkeit ist ein notwendiger Zwang, den man aus Vorteil akzeptiert. Sokrates verteidigt die **philosophische Gegenposition**: Gerechtigkeit ist ein inneres Gut des Menschen, nicht nur ein gesellschaftliches Arrangement. Gerade das ist der Kern der *Politeia*: Nicht „Warum soll ich mich an Regeln halten?“, sondern **warum Gerechtigkeit den Menschen selbst besser macht**.
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