„Heimsuchung“ (2008) und „Transit“ (2018) sind zwei Romane der deutschen Autorin Jenny Erpenbeck, die sich beide mit Themen wie Flucht, Heimatverlust und Identität auseina... [mehr]
„Heimsuchung“ von Jenny Erpenbeck und „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist sind zwei sehr unterschiedliche Werke, die sich jedoch auf interessante Weise vergleichen lassen. Hier ein Überblick über zentrale Vergleichspunkte: **1. Gattung und Entstehungszeit:** - „Der zerbrochene Krug“ ist ein Lustspiel (Komödie) aus der Weimarer Klassik (1806), das auf der Bühne aufgeführt wird. - „Heimsuchung“ ist ein moderner Roman (2008), der sich durch eine fragmentarische, episodenhafte Erzählweise auszeichnet. **2. Inhalt und Thema:** - In „Der zerbrochene Krug“ steht ein Gerichtsprozess im Mittelpunkt, bei dem ein Richter versucht, seine eigene Schuld an einem zerbrochenen Krug zu vertuschen. Es geht um Wahrheit, Lüge, Gerechtigkeit und Machtmissbrauch. - „Heimsuchung“ erzählt die wechselvolle Geschichte eines Hauses am See in Brandenburg über mehrere Generationen hinweg. Im Zentrum stehen Themen wie Heimat, Verlust, Vergänglichkeit und die Spuren der Geschichte (insbesondere des 20. Jahrhunderts). **3. Schauplatz:** - Kleists Stück spielt in einem kleinen Dorf in den Niederlanden, der Schauplatz ist das Gerichtsgebäude. - Erpenbecks Roman ist an einen festen Ort gebunden: das Haus am See, das zum stummen Zeugen der Zeitgeschichte wird. **4. Figuren:** - Kleist arbeitet mit klar gezeichneten, teils karikaturhaften Figuren (Richter Adam, Eve, Frau Marthe, Ruprecht), die bestimmte gesellschaftliche Rollen verkörpern. - Erpenbeck stellt viele verschiedene Figuren aus unterschiedlichen Epochen vor, die jeweils nur kurz im Mittelpunkt stehen. Die Figuren sind oft namenlos oder werden nur durch ihre Funktion beschrieben. **5. Symbolik:** - Der zerbrochene Krug ist ein zentrales Symbol für Schuld, Wahrheit und das Zerbrechen von Ordnung. - In „Heimsuchung“ steht das Haus als Symbol für Beständigkeit und zugleich für Vergänglichkeit, da es immer wieder neue Bewohner und Schicksale erlebt. **6. Sprache und Stil:** - Kleist verwendet eine kunstvolle, dialogreiche Sprache mit Ironie und Wortwitz. - Erpenbeck schreibt poetisch, verdichtet und oft nüchtern, mit vielen Zeitsprüngen und Perspektivwechseln. **7. Gesellschaftskritik:** - Kleist kritisiert Justiz und Machtstrukturen, indem er die Lächerlichkeit und Korruption des Richters entlarvt. - Erpenbeck zeigt die Auswirkungen großer historischer Umbrüche (Nationalsozialismus, DDR, Wende) auf das Individuum und thematisiert Enteignung, Flucht und Heimatverlust. **Fazit:** Beide Werke thematisieren auf ihre Weise den Umgang mit Schuld, Wahrheit und Vergänglichkeit. Während Kleist dies in einer komödiantischen Gerichtsverhandlung auf engem Raum und mit klaren Rollen tut, entfaltet Erpenbeck ein Panorama deutscher Geschichte anhand eines Hauses und seiner wechselnden Bewohner. Beide Texte laden dazu ein, über individuelle und kollektive Verantwortung nachzudenken.
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Beide Werke, **„Mario und der Zauberer“** von Thomas Mann (1929) und **„Leben des Galilei“** von Bertolt Brecht (1938/39), setzen sich mit Macht, Autorität und dem Widerst... [mehr]
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