Welche Fragen kann ich in einem pflegerischen Krisengespräch stellen?

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**In einem pflegerischen Krisengespräch stellst du vor allem Fragen, die Sicherheit schaffen, die akute Lage einschätzen und den nächsten kleinen Schritt klären. Entscheidend ist: nicht „Warum haben Sie das gemacht?“, sondern „Was ist gerade los, was brauchen Sie jetzt, und sind Sie im Moment sicher?“** ## Die wichtigsten Fragen zuerst In einer akuten Krise sind drei Bereiche zentral: - **Was passiert gerade?** - **Wie gefährdet ist die Person?** - **Was hilft in den nächsten Minuten?** Geeignete Fragen sind zum Beispiel: - **Was belastet Sie im Moment am stärksten?** - **Was ist heute konkret passiert?** - **Wie fühlen Sie sich gerade – eher verzweifelt, panisch, wütend, leer oder überfordert?** - **Was brauchen Sie jetzt sofort, damit es die nächsten Minuten etwas aushaltbarer wird?** ## Fragen zur Einschätzung der akuten Gefahr Hier musst du klar und direkt sein. Ausweichende Formulierungen helfen in Krisen nicht. - **Haben Sie gerade Gedanken, sich etwas anzutun?** - **Haben Sie Gedanken, nicht mehr leben zu wollen?** - **Gibt es konkrete Pläne, sich zu verletzen oder Suizid zu begehen?** - **Haben Sie dafür schon etwas vorbereitet?** - **Sind Sie im Moment allein?** - **Fühlen Sie sich gerade in der Lage, sich selbst bis auf Weiteres nichts anzutun?** Wichtig: Direkte Fragen nach Suizidgedanken lösen solche Gedanken nicht aus. Sie sind fachlich notwendig, wenn der Verdacht besteht. ## Fragen zur Stabilisierung Wenn die Person sehr angespannt ist, helfen Fragen, die vom Chaos zur Orientierung führen: - **Was hilft Ihnen sonst in solchen Momenten ein kleines bisschen?** - **Wer ist gerade eine sichere Person für Sie?** - **Was hat Ihnen schon einmal geholfen, eine Krise zu überstehen?** - **Was würde Ihnen jetzt mehr helfen: Ruhe, jemand dabeibleibt, Wasser, frische Luft oder ein geschützter Raum?** - **Können Sie mir sagen, was Ihnen gerade am meisten Angst macht?** Der praktische Punkt dabei: Du suchst nicht sofort die große Lösung, sondern den **nächsten stabilisierenden Schritt**. ## Fragen, die Ressourcen sichtbar machen Viele Gespräche bleiben zu stark beim Problem. Besser ist, gezielt nach Rest-Stabilität zu suchen. - **Was hat Sie bis jetzt davon abgehalten, sich etwas anzutun?** - **Für wen oder was lohnt es sich im Moment, durchzuhalten?** - **Wann war es heute oder diese Woche kurz etwas weniger schlimm?** - **Was gibt Ihnen normalerweise Halt?** - **Wer darf jetzt informiert oder dazugeholt werden?** Gerade diese Fragen machen oft den Unterschied, weil sie nicht nur Leid erfassen, sondern Schutzfaktoren. ## Was du eher vermeiden solltest Ein typischer Fehler in pflegerischen Krisengesprächen ist, zu früh zu erklären, zu beruhigen oder zu bewerten. Ungünstig sind zum Beispiel: - **Warum machen Sie das?** - **So schlimm ist es doch nicht.** - **Sie müssen jetzt positiv denken.** - **Beruhigen Sie sich erst mal.** - **Andere schaffen das auch.** Solche Sätze erhöhen oft Scham, Druck oder Rückzug. ## Praktisch am hilfreichsten Am besten funktioniert meist diese Reihenfolge: 1. **Kontakt herstellen:** „Was ist gerade los?“ 2. **Gefahr einschätzen:** „Haben Sie Gedanken, sich etwas anzutun?“ 3. **Stabilisieren:** „Was hilft Ihnen jetzt in den nächsten 10 Minuten?“ 4. **Ressourcen aktivieren:** „Wer oder was gibt Ihnen gerade Halt?“ 5. **Nächsten Schritt klären:** „Was machen wir jetzt ganz konkret als Nächstes?“ **Die beste pflegerische Frage in der Krise ist oft die einfachste: „Was brauchen Sie jetzt, damit Sie sicher durch die nächste halbe Stunde kommen?“**

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