Was waren die Ziele, Probleme, Strategien, Legitimationen und Einflusssphären ausgewählter Kolonialmächte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert?

Antwort

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verfolgten die europäischen Kolonialmächte – etwa Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Belgien und andere – unterschiedliche, aber oft vergleichbare Ziele, Strategien und Rechtfertigungen für ihre kolonialen Unternehmungen. Hier ein Überblick: **Ziele:** - **Wirtschaftliche Interessen:** Zugang zu Rohstoffen, neuen Märkten und billigen Arbeitskräften. - **Macht und Prestige:** Ausbau des eigenen Einflusses und Ansehens im internationalen Vergleich („Wettlauf um Afrika“). - **Strategische Kontrolle:** Sicherung wichtiger Handelsrouten und militärischer Stützpunkte. - **Missionarischer Eifer:** Verbreitung des Christentums und westlicher Werte. **Probleme:** - **Widerstand der lokalen Bevölkerung:** Aufstände, Guerillakriege und andere Formen des Widerstands. - **Verwaltung und Kontrolle:** Schwierigkeit, große Gebiete mit begrenzten Ressourcen zu kontrollieren. - **Konkurrenz mit anderen Kolonialmächten:** Konflikte und Spannungen, z.B. Faschoda-Krise zwischen Frankreich und Großbritannien. - **Kosten:** Hohe finanzielle Belastungen für Verwaltung, Militär und Infrastruktur. **Strategien:** - **Direkte Herrschaft:** Einsetzung eigener Beamter und Militärs (z.B. Frankreich in Algerien). - **Indirekte Herrschaft:** Zusammenarbeit mit lokalen Eliten und Herrschern (z.B. Großbritannien in Indien und Nigeria). - **Teile-und-herrsche-Politik:** Ausspielen verschiedener Bevölkerungsgruppen gegeneinander. - **Wirtschaftliche Ausbeutung:** Plantagenwirtschaft, Zwangsarbeit, Monopolgesellschaften. **Legitimationen:** - **Zivilisatorische Mission („White Man’s Burden“):** Rechtfertigung durch angebliche „Zivilisierung“ und „Modernisierung“ der Kolonisierten. - **Sozialdarwinismus und Rassismus:** Ideologien, die die Überlegenheit der Europäer behaupteten. - **Christliche Mission:** Verbreitung des Christentums als moralische Pflicht. **Einflusssphären:** - **Großbritannien:** Indien, große Teile Afrikas (z.B. Ägypten, Südafrika, Kenia), Australien, Kanada. - **Frankreich:** Nord- und Westafrika (z.B. Algerien, Senegal), Indochina. - **Deutschland:** Togo, Kamerun, Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Ruanda, Burundi), Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia). - **Belgien:** Belgisch-Kongo (heute Demokratische Republik Kongo). - **Portugal und Spanien:** Kleinere Kolonien in Afrika, Asien und Südamerika. Diese Aspekte prägten die koloniale Expansion und deren Folgen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

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