Die Frage nach der Hauptschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist komplex und wird von Historikern unterschiedlich beantwortet. Es gibt keine einheitliche Meinung, aber einige Hauptfaktoren und Akteure werden oft hervorgehoben: 1. **Deutsches Kaiserreich**: Viele Historiker argumentieren, dass das Deutsche Kaiserreich eine zentrale Rolle spielte. Die aggressive Außenpolitik, das Wettrüsten und die Unterstützung Österreich-Ungarns nach dem Attentat von Sarajevo trugen wesentlich zur Eskalation bei. 2. **Österreich-Ungarn**: Die Entscheidung, Serbien ein Ultimatum zu stellen und die anschließende Kriegserklärung, waren direkte Auslöser des Konflikts. Österreich-Ungarn wollte seine Macht in der Region sichern und sah im Attentat einen Vorwand für militärische Maßnahmen. 3. **Russland**: Die Mobilmachung Russlands zur Unterstützung Serbiens führte zu einer Kettenreaktion, die andere Großmächte in den Konflikt zog. 4. **Frankreich und Großbritannien**: Beide Länder hatten Bündnisverpflichtungen und wurden durch die Eskalation der Ereignisse in den Krieg hineingezogen. Ihre Bereitschaft, in den Konflikt einzugreifen, trug zur Ausweitung des Krieges bei. 5. **Bündnissysteme**: Die komplexen Bündnissysteme in Europa führten dazu, dass ein lokaler Konflikt schnell zu einem globalen Krieg eskalierte. Das System der Allianzen zwang die Großmächte, ihre Bündnispartner zu unterstützen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass keine einzelne Nation die alleinige Schuld trägt. Vielmehr war es eine Kombination aus nationalen Interessen, Bündnissystemen, militärischen Planungen und diplomatischen Fehlentscheidungen, die zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges führten.