Warum steigt der Strompreis trotz mehr Ökostrom?

Antwort vom

**Mehr Ökostrom macht den Strom an der Börse oft billiger, aber nicht automatisch deine Stromrechnung. Der Preis steigt trotzdem, wenn gleichzeitig Netzausbau, Redispatch, Beschaffungssicherung und Abgaben stärker zulegen als der Börsenvorteil.** ([bundesnetzagentur.de](https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Netzentgelte/artikel.html)) ## Der wichtigste Punkt: Börsenpreis und Endkundenpreis sind nicht dasselbe Viele verwechseln den Strompreis an der Börse mit dem Tarif des Energieversorgers. Mehr Wind- und Solarstrom drückt häufig den Großhandelspreis, weil diese Anlagen mit sehr niedrigen Grenzkosten in den Markt kommen. Für Haushalte besteht der Strompreis aber nur zum Teil aus Energiebeschaffung; dazu kommen Netzentgelte, Messstellenkosten, Vertrieb, Steuern und weitere Umlagen. Wenn diese anderen Bestandteile steigen, kann der Endpreis trotz mehr Ökostrom höher werden. ([bundesnetzagentur.de](https://bundesnetzagentur.de/DE/Beschlusskammern/BK08/BK8_06_Netzentgelte/BK8_NetzE.html)) ## Warum gerade mehr Ökostrom die Rechnung trotzdem verteuern kann Erneuerbare Einspeisung ist dezentral und wetterabhängig. Das zwingt die Netzbetreiber zu mehr Ausbau und mehr Eingriffen ins System, damit Strom auch dann sicher ankommt, wenn viel Wind im Norden produziert wird, aber der Verbrauch anderswo sitzt. Die Bundesnetzagentur beschreibt genau diese Herausforderungen durch Dezentralisierung, volatile Einspeisung und steigenden Flexibilitätsbedarf als Treiber höherer Netz- und Engpasskosten. ([bundesnetzagentur.de](https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Netzentgelte/artikel.html)) Der praktische Effekt ist: Ökostrom senkt oft den **Energiepreis**, erhöht aber zugleich häufig die **Systemkosten**. Für Verbraucher ist deshalb nicht entscheidend, ob „mehr Ökostrom“ im Markt ist, sondern ob die Einsparung an der Börse größer ist als die Zusatzkosten im Netz. Genau das ist oft nicht der Fall. ([bundesnetzagentur.de](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/20260527_Agnes.html?nn=1107460)) ## Was Versorger konkret einpreisen Ein Energieversorger kauft Strom nicht einfach nur zum aktuellen Börsenpreis. Er muss Lastprofile absichern, Prognosefehler ausgleichen und Risiken einkalkulieren, wenn Wind und Sonne schwanken. Gleichzeitig werden Netzentgelte jährlich neu festgelegt und können regional deutlich steigen oder sinken. Die zulässigen Erlöse der Netzbetreiber basieren auf geprüften Kosten für Betrieb, Unterhaltung und Ausbau der Netze plus regulatorischer Verzinsung. ([bundesnetzagentur.de](https://bundesnetzagentur.de/DE/Beschlusskammern/BK08/BK8_06_Netzentgelte/BK8_NetzE.html)) Wichtig ist auch: Nicht jeder Preisanstieg lässt sich pauschal mit „mehr Ökostrom“ erklären. Teilweise steigen Tarife schlicht, weil ein Versorger teurer beschafft hat, Risiken höher bewertet oder frühere Preisvorteile nicht vollständig weitergibt. Die Aussage „mehr Ökostrom = höherer Strompreis“ ist deshalb zu grob und in dieser Form falsch. ([bundesnetzagentur.de](https://bundesnetzagentur.de/DE/Beschlusskammern/BK08/BK8_06_Netzentgelte/BK8_NetzE.html)) ## Der oft übersehene Unterschied Der überraschende Punkt ist: Regionen mit viel Wind- und Solarzubau hatten teils **besonders hohe** Netzkosten, gerade weil dort das Netz stärker angepasst werden musste. Deshalb hat die Bundesnetzagentur seit 2025 eine Umverteilung eingeführt, um solche Regionen zu entlasten; die Mehrkosten werden stärker bundesweit verteilt. Das zeigt sehr klar: Das Problem ist nicht der billige Ökostrom selbst, sondern wer die Infrastrukturkosten trägt. ([bundesnetzagentur.de](https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Aktuelles/VerteilungNetzkosten/start.html)) Unterm Strich gilt also: **Mehr Ökostrom senkt meist den Marktpreis für die Kilowattstunde, aber der Haushaltsstrom wird teurer, wenn Netz und System parallel noch schneller verteuern.** Genau deshalb können Energieversorger Preiserhöhungen trotz wachsendem Ökostromanteil begründen. ([bundesnetzagentur.de](https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Netzentgelte/artikel.html))

Verwandte Fragen

Warum ist das Merit-Order-System für Stromkunden nachteilig und welche Preisbildung wäre für Endkunden besser?

Nachteilig für Stromkunden ist das Merit-Order-System nicht deshalb, weil es „falsch“ wäre, sondern weil ein einziges teures Kraftwerk oft den Börsenpreis für alle Kilo...