Warum ist das Merit-Order-System für Stromkunden nachteilig und welche Preisbildung wäre für Endkunden besser?

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**Nachteilig für Stromkunden ist das Merit-Order-System nicht deshalb, weil es „falsch“ wäre, sondern weil ein einziges teures Kraftwerk oft den Börsenpreis für alle Kilowattstunden setzt – und dadurch auch günstiger erzeugter Strom zeitweise teuer beim Kunden ankommt.** ([bmwk.de](https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/strompreise-bestandteile.html)) ## Warum das für Endkunden als unfair wirkt Die Merit Order ordnet Kraftwerke nach ihren kurzfristigen Grenzkosten. Das zuletzt noch benötigte Kraftwerk bestimmt dann den Marktpreis für die gesamte gehandelte Strommenge. In der Praxis sind das oft Gaskraftwerke. Wenn Gas teuer ist, steigt deshalb der Großhandelspreis für Strom stark, obwohl Wind, Sonne, Wasser oder Braunkohle deutlich günstiger produzieren. ([bmwk.de](https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/strompreise-bestandteile.html)) Für Haushalte ist das vor allem aus zwei Gründen nachteilig: Erstens koppelt es den Strompreis stark an die teuerste noch benötigte Erzeugung statt an den Durchschnitt der tatsächlichen Erzeugungskosten. Das führt in Knappheitsphasen zu Preissprüngen, die aus Kundensicht schwer nachvollziehbar sind. ([bmwk.de](https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/strompreise-bestandteile.html)) Zweitens kommt beim Endkunden zwar nicht nur der Börsenpreis an, sondern auch Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Vertriebskosten. Trotzdem wirkt der Großhandelspreis auf die Beschaffungskosten der Anbieter und damit zeitversetzt auf viele Tarife. Das heißt: Selbst wenn der eigentliche Börsenanteil nur ein Teil des Endpreises ist, kann die Merit-Order den Kundentarif spürbar verteuern. ([bmwk.de](https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/FAQ/Energiepreise/faq-energiepreise.html)) ## Der wichtige Unterschied: Für das System sinnvoll, für Haushalte oft schlecht Das Merit-Order-Prinzip hat einen echten Zweck: Es sorgt dafür, dass zuerst die günstigsten Kraftwerke eingesetzt werden und minimiert so kurzfristig die Einsatzkosten im Markt. Genau deshalb halten viele Regulierer am Grundprinzip der Grenzkostenbepreisung fest. ([bmwk.de](https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/strompreise-bestandteile.html)) Der Nachteil liegt also nicht primär in der Einsatzreihenfolge, sondern in der Preisweitergabe. Für den Großhandelsmarkt ist das Modell effizient. Für Endkunden ist es oft zu volatil und in Krisen sozial problematisch. Ein praktisches Beispiel: Wenn 90 Prozent des Stroms gerade billig erzeugt werden, aber die letzten 10 Prozent aus teurem Gas kommen, zahlt der Marktpreis trotzdem das hohe Gasniveau. Genau dieser Mechanismus hat in der Energiekrise die Debatte ausgelöst. ([bmwk.de](https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/strompreise-bestandteile.html)) ## Welche Preisbildung für Endkunden besser wäre **Für Endkunden wäre nicht einfach „eine andere Börsenlogik“, sondern ein stärker entkoppeltes Endkundensystem besser: mehr langfristige Festpreis-Beschaffung, mehr Contracts for Difference oder regulierte Differenzmodelle für günstigen EE-Strom und nur begrenzte Weitergabe kurzfristiger Spotpreise.** Diese Schlussfolgerung ist eine Einordnung auf Basis der Marktmechanik und Verbraucherwirkung. ([bmwk.de](https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/strompreise-bestandteile.html)) Warum das besser ist: Ein Durchschnittskosten- oder Portfolioansatz glättet Preisspitzen. Dann zahlt der Kunde eher den Mix aus langfristig beschafftem Strom statt den Ausschlag einzelner teurer Stunden. Das ist für Haushalte planbarer und näher an den realen Beschaffungskosten eines Versorgers. Dynamische Tarife, die Börsenpreise direkt an Haushalte weiterreichen, sind gerade für normale Haushaltskunden oft nicht ideal, weil das Preisrisiko stark beim Verbraucher liegt. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass solche Tarife für normale Haushaltsstromkunden in der Regel nicht empfehlenswert sind. ([verbraucherzentrale.de](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/preise-tarife-anbieterwechsel/dynamische-stromtarife-fuer-wen-es-sich-lohnt-und-worauf-sie-achten-sollten-97836)) ## Was wahrscheinlich die beste Lösung ist Am sinnvollsten wäre ein **Zwei-Ebenen-Modell**: - im Großhandel weiter Merit Order, weil sie den Kraftwerkseinsatz effizient steuert, - für Endkunden aber stärker geglättete Tarife auf Basis langfristiger Beschaffung, - ergänzt um günstigen erneuerbaren Strom über langfristige Verträge statt voller Spotpreis-Kopplung. Das ist besser als ein reines „pay-as-bid“-Modell. Denn dort bieten Erzeuger meist nicht einfach ihre echten Kosten, sondern strategisch nahe am erwarteten Marktpreis. Das senkt Endkundenpreise oft viel weniger, als es auf den ersten Blick klingt. Diese Bewertung ist eine ökonomische Schlussfolgerung; sie folgt aus der bekannten Anreizstruktur solcher Märkte und der regulatorischen Debatte um marginal pricing. ([acer.europa.eu](https://www.acer.europa.eu/sites/default/files/documents/Position%20Papers/Energy%20Prices_Final.pdf)) Die klare Konsequenz lautet deshalb: **Für Haushalte ist nicht die Abschaffung der Merit Order der wichtigste Hebel, sondern die Entkopplung des Endkundentarifs von kurzfristigen Extrempreisen.**

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