Wann entstand der Begriff Merit-Order und warum?

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**Der Begriff „Merit-Order“ stammt aus der Stromwirtschaft und entstand, als Kraftwerke systematisch nach ihren kurzfristigen Grenzkosten gereiht wurden: Die billigsten Anlagen laufen zuerst, das teuerste noch benötigte Kraftwerk setzt den Preis. Praktisch relevant wurde der Begriff vor allem mit der Liberalisierung der Strommärkte in den 1990er-Jahren; das zugrunde liegende Prinzip ist aber älter und kommt aus dem klassischen „Economic Dispatch“ in der Netz- und Kraftwerkseinsatzplanung.** ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Merit_order)) ## Wann genau Einen einzelnen „Geburtstag“ des Begriffs gibt es nicht. Das **Prinzip** wurde schon lange vor liberalisierten Börsenmärkten genutzt: Netzbetreiber und Versorger setzten Kraftwerke nach Kostenreihenfolge ein, um Nachfrage möglichst günstig zu decken. In der neueren Marktlogik wurde „Merit Order“ dann ab den **1990er-Jahren** zum Standardbegriff, weil die EU-Strommarktöffnung und moderne Strombörsen genau diese Kostenreihenfolge in Marktpreise übersetzten. Die EU-Richtlinie 96/92/EG steht für diese Phase der Marktöffnung. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Electricity_market_in_France)) Wichtig ist der Unterschied: **Nicht der Begriff wurde erst in den 1990ern „erfunden“, sondern seine heutige marktwirtschaftliche Bedeutung wurde damals dominant.** Das ist der Punkt, den viele Erklärungen verkürzen. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Merit_order)) ## Warum ist der Begriff entstanden Der Begriff brauchte einen Namen, weil Stromsysteme ein spezielles Problem haben: **Strom muss in jeder Sekunde erzeugt und verbraucht zugleich werden.** Deshalb muss laufend entschieden werden, welche Kraftwerke gerade einspeisen. Die naheliegende ökonomische Lösung ist eine Rangfolge nach variablen Kosten: erst Wasser, Wind, Solar oder Kernkraft mit niedrigen Grenzkosten, später Kohle, am Ende oft Gas. Genau diese Reihenfolge ist die Merit-Order. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Merit_order)) Der eigentliche Zweck war also nicht Theorie, sondern **Betrieb und Preisbildung**: Das System sollte zuverlässig laufen und zugleich möglichst günstig sein. Daraus folgt direkt, warum der Begriff heute so oft in Debatten über Strompreise auftaucht: Wenn viele Anlagen mit sehr niedrigen Grenzkosten in den Markt kommen, verschieben sie die Reihenfolge und drücken häufig den Börsenpreis. Das nennt man dann den **Merit-Order-Effekt**. ([sciencedirect.com](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421508001717)) ## Der entscheidende Punkt Viele verstehen Merit-Order als „faire Reihenfolge“. Tatsächlich ist es vor allem ein **Kostenmechanismus**. Er erklärt nicht nur, **welches** Kraftwerk läuft, sondern auch, **warum Strompreise manchmal stark steigen**, obwohl ein großer Teil des Stroms viel billiger erzeugt wurde: Bezahlt wird am Markt oft nach dem teuersten noch benötigten Kraftwerk, nicht nach dem Durchschnitt aller Erzeugungskosten. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Merit_order)) Gerade deshalb wurde der Begriff in Deutschland erst mit Energiewende, Börsenstrompreisen und Gaskrise wirklich breit bekannt — fachlich existierte das Konzept aber schon deutlich früher. ([agora-energiewende.de](https://www.agora-energiewende.de/fileadmin/Projekte/2022/2022-06_DE_Energy_Price_Intervention/A-EW_270_Schutz-in-der-Energiekrise_WEB.pdf))

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