Wie erfolgt ein hydraulischer Abgleich der Heizung im Haus?

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Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper (bzw. jeder Heizkreis bei Fußbodenheizung) genau die Wassermenge bekommt, die er für die gewünschte Raumtemperatur braucht – nicht mehr und nicht weniger. So werden nahe Heizkörper nicht „überversorgt“ und entfernte nicht „unterversorgt“, die Anlage wird leiser und effizienter. ## Ablauf (typisch im Einfamilienhaus) ### 1) Anlage aufnehmen - Heizflächen erfassen: Heizkörper-Typ/Größe je Raum oder Heizkreise (Längen/Verlegeabstände) bei Fußbodenheizung - Rohrnetz grob erfassen (Stränge, Steigleitungen, Verteilung) - Wärmeerzeuger und Pumpe: Typ, Regelung, vorhandene Ventile/Regler, Differenzdruckregler, Mischer etc. ### 2) Heizlast bzw. Raumwärmebedarf bestimmen - Entweder nach Norm (DIN EN 12831) oder vereinfachtes Verfahren (je nach Förder-/Nachweisanforderung). - Ergebnis: benötigte Leistung pro Raum/Heizfläche. ### 3) Erforderliche Volumenströme berechnen Aus der benötigten Leistung wird der nötige Wasser-Volumenstrom je Heizkörper/Heizkreis abgeleitet (abhängig von der geplanten Spreizung Vorlauf/Rücklauf, z. B. 10–20 K). - Ergebnis: Soll-Volumenstrom pro Heizfläche und pro Strang. ### 4) Ventile/Heizkreise einstellen (Kern des Abgleichs) **Heizkörperanlage:** - Thermostatventile müssen **voreinstellbar** sein (sonst Ventileinsätze/ Ventile tauschen). - Für jeden Heizkörper wird die **Voreinstellung** (kv-Wert/Skalenwert) so gewählt, dass bei vorhandenem Differenzdruck der berechnete Volumenstrom fließt. - Ggf. Strangregulierventile oder Differenzdruckregler einstellen/ergänzen, damit die Ventile stabil arbeiten. **Fußbodenheizung:** - Am Verteiler werden die **Durchflussmengen** je Heizkreis über die Durchflussanzeiger/Regulierventile auf die berechneten Werte eingestellt. - Bei gemischten Systemen (Heizkörper + FBH) zusätzlich Mischer/Regelgruppe korrekt einregeln. ### 5) Pumpe und Differenzdruck optimieren - Hocheffizienzpumpe auf passenden Modus einstellen (meist **konstanter/proportionaler Differenzdruck**, nicht „volle Leistung“). - Pumpenförderhöhe so weit wie möglich reduzieren, ohne Unterversorgung zu riskieren. - Ziel: ausreichender, aber nicht zu hoher Differenzdruck → weniger Strömungsgeräusche, weniger Stromverbrauch. ### 6) Heizkurve und Temperaturen anpassen - Vorlauftemperatur/Heizkurve so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig. - Bei Brennwertgeräten: Rücklauftemperaturen begünstigen (mehr Kondensation) durch passende Spreizung und nicht zu hohe Vorlauftemperaturen. ### 7) Funktionskontrolle und Dokumentation - Prüfen: alle Räume werden warm, keine Ventil-/Strömungsgeräusche, Rückläufe plausibel, Pumpenleistung passt. - Dokumentation der Einstellwerte (Ventilvoreinstellungen, Durchflüsse, Pumpeneinstellung, Heizkurve). Das ist oft auch für Förderungen/Nachweise relevant. ## Woran erkennt man, dass er fehlt? - Einige Heizkörper werden sehr heiß, andere bleiben lauwarm/kalt. - Strömungsgeräusche an Thermostatventilen. - Hoher Pumpenstromverbrauch, unnötig hohe Vorlauftemperaturen, schlechter Brennwerteffekt. ## Wer macht das? In der Praxis macht das ein Heizungsfachbetrieb mit Berechnung (Software) und anschließender Einstellung an Ventilen/Verteilern und Pumpe.

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