Was ist zu tun, wenn bei einem Grundstück nach BBodSchV die Prüfwerte Wirkungspfad Boden–Grundwasser für MKW (215-fach) und BTEX (5-fach) überschritten sind?
Antwort vomBei einer **Überschreitung des Prüfwertes** nach **BBodSchV** (Wirkungspfad **Boden → Grundwasser**) für **MKW (Mineralölkohlenwasserstoffe) 215‑fach** und **BTEX 5‑fach** ist das kein „Sanierungszwang automatisch“, aber ein **klarer Handlungsauftrag**: Es besteht ein **begründeter Verdacht** auf eine schädliche Bodenveränderung/Altlast im Wirkungspfad zum Grundwasser, der **weiter aufzuklären** und **zu bewerten** ist – und bis dahin sind **Sicherungsmaßnahmen** zu prüfen. Konkret ist typischerweise Folgendes zu tun (fachlich und behördlich übliches Vorgehen): 1) **Unverzügliche Einbindung der zuständigen Behörde** - Zuständig ist i. d. R. die **Untere Bodenschutz-/Altlastenbehörde** (Landkreis/kreisfreie Stadt; teils mit Wasserbehörde abgestimmt). - Ziel: **Abstimmung des Untersuchungsprogramms** und der nächsten Schritte, damit Ergebnisse anerkannt werden. 2) **Orientierende Prüfung der Datenqualität und Plausibilität** - Prüfen: Probenahme-/Analytikstandard, Probenahmetiefe, Bodenart, Grundwasserflurabstand, Laborverfahren, Ausreißer, Lagebezug. - MKW/BTEX sind stark **quellen- und phasenabhängig** (z. B. Leckage/Ölabscheider/Tankstelle/Heizöltank); Fehlinterpretationen durch falsche Probenahme sind möglich, müssen aber sauber ausgeschlossen werden. 3) **Gefährdungsabschätzung / Detailuntersuchung (Wirkungspfad Boden–Grundwasser)** - Bei der Größenordnung (insb. **MKW 215‑fach**) ist regelmäßig eine **Detailuntersuchung** erforderlich: - **Abgrenzung der Kontamination** (horizontal/vertikal) durch zusätzliche Bodenaufschlüsse. - **Hydrogeologische Erkundung**: Grundwasserfließrichtung, Durchlässigkeiten, Flurabstand, Schutzgebiete. - **Grundwasseruntersuchung**: Einbau von **Messstellen** (mind. upgradient/downgradient), Beprobung auf BTEX, MKW‑Fraktionen/Parameter, ggf. Zusatzparameter (z. B. Sauerstoff, Redox, DOC) zur Beurteilung von Abbau. - Prüfung, ob **freie Phase (LNAPL)** vorliegt (bei Mineralöl relevant) – das ist ein Gamechanger für Maßnahmen. 4) **Sofort-/Sicherungsmaßnahmen (falls erforderlich)** - Wenn Hinweise auf akute Einträge oder freie Phase bestehen oder das Grundwasser bereits betroffen ist, kommen kurzfristig in Betracht: - **Quellenstilllegung** (z. B. Leck beseitigen, Tanks/Leitungen sichern). - **Aushub/Entfernung stark belasteter Hotspots** (quellnah). - **Hydraulische Sicherung/Abschirmung** oder **Produktabschöpfung** bei LNAPL. - **Nutzungsbeschränkungen** (z. B. kein Brunnenbau/keine Grundwassernutzung, Baustopp in Hotspot-Bereichen) als vorläufige Gefahrenabwehr. 5) **Bewertung und Entscheidung: Sanierung, Sicherung oder Monitoring** - Nach Gefährdungsabschätzung wird festgelegt, ob - **Sanierung** (Beseitigung/Reduktion der Quelle und/oder Fahne), - **Sicherung** (Verhindern der Ausbreitung/Einwirkung), - oder **Überwachung (Monitoring)** ausreichend ist. - Bei MKW/BTEX sind gängige Sanierungsoptionen je nach Standort: **Aushub/Entsorgung**, **Bodenluftabsaugung**, **In-situ Oxidation**, **Bioremediation**, **Pump & Treat**, **Mehrphasenextraktion**. 6) **Rechtliche/organisatorische Punkte (Eigentümer, Kauf, Bau, Entsorgung)** - **Dokumentation** und **Altlastenkataster-/Auskunft** prüfen; Verantwortlichkeiten (Verursacher, Zustandsstörer) klären. - Bei Bau-/Erdarbeiten: **Abfallrechtliche Einstufung** des Aushubs, Entsorgungswege, Arbeitsschutz (BTEX/Ex-Schutz) und Bodenschutzauflagen frühzeitig planen. - Bei Transaktionen/Finanzierung