Wie steht die evangelische Kirche zum Pazifismus?

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Die evangelische Kirche hat zum Pazifismus eine differenzierte Haltung, die sich im Laufe der Geschichte gewandelt hat und auch heute innerhalb der Kirche unterschiedlich interpretiert wird. Grundsätzlich bekennt sich die evangelische Kirche zu Frieden und Gewaltlosigkeit als zentrale christliche Werte. Die Bergpredigt Jesu („Selig sind, die Frieden stiften“) wird als Leitbild angesehen. Viele evangelische Christinnen und Christen engagieren sich daher aktiv für den Frieden und lehnen Gewalt als Mittel der Konfliktlösung ab. Allerdings vertritt die evangelische Kirche traditionell nicht einen absoluten Pazifismus. Sie erkennt in bestimmten Situationen das Recht auf Selbstverteidigung und den Schutz von Schwachen an. In der sogenannten „Lehre vom gerechten Krieg“ (abgeleitet von Augustinus und Thomas von Aquin, aber auch von Martin Luther weitergeführt) wird unter bestimmten Bedingungen der Einsatz von Gewalt als letztes Mittel („ultima ratio“) akzeptiert, etwa zur Abwehr von Unrecht oder zur Verteidigung gegen Aggression. In den letzten Jahrzehnten hat sich die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verstärkt für Gewaltprävention, zivile Konfliktlösung und Friedensarbeit eingesetzt. In offiziellen Stellungnahmen, wie etwa der Friedensdenkschrift der EKD von 2007, wird betont, dass Gewaltfreiheit das Ziel ist, aber in einer unvollkommenen Welt manchmal militärische Gewalt als letztes Mittel nicht völlig ausgeschlossen werden kann. Zusammengefasst: Die evangelische Kirche steht dem Pazifismus sehr offen gegenüber, sieht aber in bestimmten Ausnahmefällen die Notwendigkeit, Gewalt zur Verteidigung oder zum Schutz von Menschenleben nicht völlig auszuschließen. Innerhalb der Kirche gibt es sowohl überzeugte Pazifistinnen und Pazifisten als auch Stimmen, die einen „verantwortlichen“ Umgang mit Gewalt befürworten. Weitere Informationen findest du z.B. auf der Seite der [Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)](https://www.ekd.de/frieden-evangelische-kirche-10713.htm).

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