Wie stand Kemal Atatürk zum Islam?

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Kemal Atatürk (1881–1938) sah den Islam vor allem als **Privatsache des Einzelnen** und wollte den **Staat konsequent säkular** organisieren. Er war nicht „gegen Religion“ im Sinne eines Verbots von Glauben, aber klar **gegen die politische und rechtliche Dominanz religiöser Autoritäten**. Kernpunkte seiner Haltung und Politik: - **Laizismus/Säkularismus:** Religion sollte nicht die Gesetzgebung und Staatsführung bestimmen; moderne, staatliche Institutionen sollten Vorrang haben. - **Entmachtung religiöser Institutionen:** Abschaffung des **Kalifats (1924)** und Auflösung/Zurückdrängung traditioneller religiöser Machtstrukturen (u. a. religiöse Gerichte und Orden). - **Staatliche Kontrolle statt Klerus-Herrschaft:** Einrichtung/ Ausbau einer staatlichen Religionsverwaltung (**Diyanet**, 1924), um Religion aus parteipolitischen und klerikalen Machtkämpfen herauszuhalten und unter staatliche Aufsicht zu stellen. - **Rechts- und Bildungsreformen:** Einführung eines **weltlichen Rechtssystems** und Vereinheitlichung/Verstaatlichung des Bildungswesens, um religiös begründete Parallelordnungen zu beenden. - **Modernistische Deutung:** Atatürk betrachtete viele religiöse Praktiken und Traditionen, die gesellschaftlichen Fortschritt behinderten, als reformbedürftig; Religion sollte mit „Vernunft“ und Moderne vereinbar sein. Zusammengefasst: Atatürk respektierte Religion als persönlichen Glauben, lehnte aber eine **islamisch begründete Staatsordnung** ab und setzte auf einen **säkularen Nationalstaat**, in dem der Islam nicht die politische Autorität ist.

Kategorie: Religion Tags: Atatürk Islam Türkei

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