Was ist der Unterschied zwischen der Rückstellungsbildung nach HGB und IFRS?

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Der Hauptunterschied zwischen der Bildung von Rückstellungen nach HGB (Handelsgesetzbuch) und IFRS (International Financial Reporting Standards) liegt den Kriterien und der Bewertung. 1. **Kriterien für die Bildung**: - **HGB**: Rückstellungen müssen gebildet werden, wenn eine Verpflichtung besteht, die rechtlich oder faktisch begründet ist, und die Höhe der Verpflichtung verlässlich geschätzt werden kann. Es wird ein vorsichtiger Ansatz verfolgt. - **IFRS**: Nach IAS 37 müssen Rückstellungen gebildet werden, wenn eine gegenwärtige Verpflichtung (rechtlich oder faktisch) besteht, die wahrscheinlich zu einem Abfluss von Ressourcen führen wird, und die Höhe der Verpflichtung verlässlich geschätzt werden kann. Der Begriff der "Wahrscheinlichkeit" spielt hier eine zentrale Rolle. 2. **Bewertung**: - **HGB**: Rückstellungen werden in der Regel mit dem Erfüllungsbetrag bewertet, wobei der Grundsatz der Vorsicht gilt. Das bedeutet, dass Rückstellungen tendenziell höher angesetzt werden, um zukünftige Risiken abzudecken. - **IFRS**: Rückstellungen werden zum Barwert der erwarteten Auszahlungen bewertet. Das bedeutet, dass zukünftige Zahlungen diskontiert werden müssen, was zu einer niedrigeren Bewertung führen kann, wenn die Zahlungen in der Zukunft liegen. 3. **Zeitpunkt der Bildung**: - **HGB**: Rückstellungen können auch für ungewisse Verbindlichkeiten gebildet werden, die in der Zukunft entstehen könnten. - **IFRS**: Hier ist eine Rückstellung nur dann zulässig, wenn die Verpflichtung bereits besteht und nicht nur eine mögliche zukünftige Verpflichtung. Diese Unterschiede führen dazu, dass Unternehmen, die nach HGB bilanzieren, tendenziell höhere Rückstellungen ausweisen können als solche, die nach IFRS bilanzieren.

Kategorie: Recht Tags: Rückstellungen HGB IFRS
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