Welche Aufgabenkreise braucht ein rechtlicher Betreuer, um ein Insolvenzverfahren durchzuführen?

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Um **ein Insolvenzverfahren für die betreute Person** wirksam „durchzuführen“ (also: Insolvenzantrag stellen, mit dem Insolvenzgericht/Insolvenzverwalter handeln, Vermögen offenlegen, Erklärungen abgeben), braucht der rechtliche Betreuer **Betreuungsaufgabenkreise**, die ihn zur **Vermögens- und Rechtsvertretung** in diesem Bereich befugen. In der Praxis sind das vor allem: 1) **Vermögenssorge** Das ist der zentrale Aufgabenkreis, weil das Insolvenzverfahren unmittelbar die Verwaltung, Sicherung und Offenlegung des Vermögens sowie den Umgang mit Gläubigern betrifft. 2) **Vertretung gegenüber Behörden / Gerichten** (je nach Formulierung im Beschluss) Viele Betreuungsbeschlüsse fassen die Außenvertretung zusätzlich ausdrücklich als „Behördenangelegenheiten“ und/oder „gerichtliche Angelegenheiten / Vertretung in Rechtsangelegenheiten“; das erleichtert die Kommunikation und Verfahrenshandlungen gegenüber Insolvenzgericht, ggf. Vollstreckungsorganen und anderen Stellen. 3) **Entgegennahme und Öffnen der Post** (falls angeordnet) Nicht zwingend für die Wirksamkeit eines Insolvenzantrags, aber praktisch oft erforderlich, weil Fristen, gerichtliche Hinweise und Verwalterpost sonst nicht zuverlässig bearbeitet werden können. Wichtig in der Sache: - **Maßgeblich ist immer der konkrete Wortlaut des Betreuungsbeschlusses**. Wenn dort die Vermögenssorge (und ggf. die Vertretung in Rechts-/Gerichtsangelegenheiten) **ausdrücklich** umfasst ist, ist der Betreuer in der Regel befugt, den Insolvenzantrag zu stellen und das Verfahren zu begleiten. - Steht im Beschluss nur ein enger Aufgabenkreis (z. B. nur Gesundheitssorge), reicht das nicht. Weiterführende Infos (allgemein, nicht insolvenzspezifisch): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/ (BGB – Betreuungsrecht) https://www.gesetze-im-internet.de/insO/ (Insolvenzordnung)

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