Warum mache ich mir immer etwas vor und entferne mich von der Realität?

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Menschen machen sich oft selbst etwas vor, weil die Realität manchmal schmerzhaft, überfordernd oder widersprüchlich ist. Das ist meist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Schutzmechanismus der Psyche. Häufige Gründe sind: - **Selbstschutz:** unangenehme Wahrheiten lösen Angst, Scham oder Trauer aus. - **Gewohnheit:** man erzählt sich bestimmte Dinge so oft, bis sie sich wahr anfühlen. - **Wunschdenken:** man hält an einer Hoffnung fest, obwohl die Fakten dagegen sprechen. - **Selbstwertschutz:** die eigene Sicht schützt davor, sich mit Fehlern oder Verlusten auseinanderzusetzen. - **Überforderung:** klare Realität würde eine Entscheidung oder Veränderung verlangen, für die man sich noch nicht bereit fühlt. Wichtig ist: Sich etwas vorzumachen passiert fast jedem. Problematisch wird es erst, wenn es dauerhaft verhindert, ehrlich auf das eigene Leben zu schauen. Ein nüchterner Kern dazu: **Man flieht oft nicht vor der Realität, sondern vor dem Gefühl, das die Realität auslöst.** Hilfreich kann sein, sich sehr konkret zu fragen: - **Welche Tatsache will ich gerade nicht sehen?** - **Welches Gefühl würde auftauchen, wenn ich ehrlich wäre?** - **Was hätte ich zu verlieren, wenn ich mir nichts mehr vormache?** Wenn dieses Muster sehr stark ist oder leidvoll wird, kann psychologische Unterstützung sinnvoll sein. Eine erste Orientierung bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/gesundheit/psychische-gesundheit/ oder die Deutsche Gesellschaft für Psychologie: https://www.dgps.de/

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