Klaus von Dohnanyi argumentiert in seinem Buch zur Russlandpolitik im Kern für eine realpolitische, interessengeleitete und sicherheitspolitisch nüchterne Linie gegenüber Russland &ndas...
Willy Brandts „Neue Ostpolitik“ lässt sich wesentlich aus seinen eigenen biografischen Erfahrungen erklären: - **Exil und Verfolgung durch die Nationalsozialisten (1933–1945):** Brandt musste als junger Sozialdemokrat fliehen, lebte im Exil (u. a. in Norwegen und Schweden) und erlebte, wie schnell politische Fronten zu Gewalt, Abschottung und Krieg führen können. Das prägte sein starkes Interesse an **Friedenssicherung durch Verständigung** statt Konfrontation. - **Unmittelbare Kriegserfahrung und Blick von außen auf Deutschland:** Als Exilant beobachtete er Deutschland und Europa aus skandinavischer Perspektive und erlebte die Folgen von Nationalismus und Machtpolitik. Daraus wuchs die Überzeugung, dass **Sicherheit in Europa nur mit Einbindung des Ostens** erreichbar ist. - **Erfahrung der deutschen Teilung und der Berliner Krisen als Regierender Bürgermeister (1957–1966):** In Berlin war Brandt täglich mit Mauer, Flucht, getrennten Familien und den Risiken der Blockkonfrontation konfrontiert. Diese Praxisnähe führte zu dem Ansatz, **menschliche Erleichterungen und Kontakte** über starre Prinzipien zu stellen – später verdichtet im Leitgedanken „Wandel durch Annäherung“. - **Pragmatischer Umgang mit Machtverhältnissen („Realitätssinn“):** Aus den Erfahrungen in Berlin und der internationalen Politik zog Brandt den Schluss, dass man die **bestehenden Grenzen und Regime zunächst als Realität** behandeln müsse, um überhaupt verhandeln und schrittweise verbessern zu können (statt auf sofortige Wiedervereinigung oder maximale Forderungen zu setzen). - **Persönliche Sensibilität für Versöhnung:** Brandts Biografie als Gegner des NS-Regimes und sein Bewusstsein für deutsche Schuld stärkten seine Bereitschaft zu **symbolischer und politischer Versöhnung** (besonders sichtbar in der Haltung gegenüber Polen und den osteuropäischen Nachbarn), was die Ostpolitik moralisch und politisch trug. Diese Lebenserfahrungen machten aus Ostpolitik für Brandt weniger ein abstraktes Konzept als eine Konsequenz aus Krieg, Diktatur, Teilung und der konkreten Berliner Alltagserfahrung.
Klaus von Dohnanyi argumentiert in seinem Buch zur Russlandpolitik im Kern für eine realpolitische, interessengeleitete und sicherheitspolitisch nüchterne Linie gegenüber Russland &ndas...
Die Kernaage der ersten Regierung unter Brandt 1969 war das „Mehr Demokratie wagen“. Damit verbandt das Ziel, die Bundesrep Deutschland politisch, gesellschaftlich undpolitisch zu modernis...