Die Frage, ob sich der Westen durch hohe Rüstungsausgaben „bankrott rüstet“ wie einst die Sowjetunion, ist komplex und wird in Politik und Wissenschaft kontrovers diskutiert. Historisch gesehen führte die Sowjetunion in den 1980er Jahren einen enormen Teil ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den Rüstungssektor ab, was zusammen mit anderen Faktoren (ineffiziente Planwirtschaft, politische Probleme, sinkende Ölpreise) zur wirtschaftlichen Überforderung und letztlich zum Zusammenbruch beitrug. Im Westen, insbesondere in den USA und der EU, sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen heute jedoch anders: - **Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit:** Die westlichen Volkswirtschaften sind deutlich größer, diversifizierter und produktiver als die der Sowjetunion damals. - **Anteil der Rüstungsausgaben:** Die Militärausgaben machen in den meisten westlichen Ländern einen deutlich geringeren Anteil am BIP aus als in der Sowjetunion. Beispielsweise liegen die Verteidigungsausgaben der NATO-Staaten meist zwischen 1,5 % und 4 % des BIP. - **Staatshaushalte:** Zwar steigen die Verteidigungsausgaben aktuell, etwa durch den Ukraine-Krieg und die gestiegenen Spannungen mit Russland und China, aber sie sind im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft noch tragbar. - **Schuldenproblematik:** Die Staatsverschuldung ist in vielen westlichen Ländern ein Thema, aber sie resultiert aus vielen Faktoren (Sozialsysteme, Konjunkturprogramme, Zinslasten) und nicht allein aus Rüstungsausgaben. Fazit: Aktuell gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Westen durch Rüstungsausgaben in eine wirtschaftliche Krise wie die Sowjetunion geraten könnte. Die wirtschaftlichen Strukturen, die Flexibilität der Marktwirtschaften und die geringeren relativen Rüstungsausgaben sprechen dagegen. Dennoch bleibt die Frage nach der langfristigen Tragfähigkeit steigender Verteidigungsausgaben und deren Auswirkungen auf andere gesellschaftliche Bereiche ein wichtiges politisches Thema.