Welche priorisierten Maßnahmen zur Unterstützung älterer und pflegebedürftiger Menschen sind auf kommunaler und Landesebene sinnvoll?

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## Kommunale Ebene (Stadt/Landkreis) – priorisiert 1) **Pflege- und Sozialberatung „aus einer Hand“ (Case Management)** - Niedrigschwellige Anlaufstellen (vor Ort, telefonisch, aufsuchend), die Leistungen bündeln: Pflegegrade, Entlastungsleistungen, Hilfsmittel, Wohnen, Demenz, Vorsorge, Angehörigenberatung. - Verbindliche Lotsenfunktion mit Termin- und Antragsunterstützung. 2) **Ambulant vor stationär konsequent ermöglichen** - Ausbau ambulanter Pflegedienste, Kurzzeitpflege- und Tagespflegeplätze, Nachtpflege, mobile geriatrische/gerontopsychiatrische Angebote. - Kommunale Koordination von Kapazitäten (Belegungs- und Vermittlungsmanagement), damit Übergänge aus Krankenhaus/Reha nicht scheitern. 3) **Angehörige entlasten (größter Hebel gegen Pflegekrisen)** - Kommunale Entlastungsnetzwerke: stundenweise Betreuung, haushaltsnahe Dienste, Demenzbegleitung, Notfall-/Ersatzpflege, Schulungen. - „Pflege-Notfallplan“: kurzfristige Überbrückung bei Ausfall der Hauptpflegeperson. 4) **Barrierearmes Wohnen & Quartiersentwicklung** - Wohnraumanpassung (Badumbau, Rampen, Treppenlift), barrierearme Neubauquoten, altersgerechte Quartiere mit kurzen Wegen. - Quartiersstützpunkte/Mehrgenerationenhäuser als soziale Infrastruktur gegen Einsamkeit. 5) **Mobilität & Teilhabe sichern** - Rufbus/On-Demand-Angebote, Begleitdienste, barrierefreie Haltestellen, Seniorentaxis für Arzt- und Therapietermine. - Teilhabeprogramme gegen Isolation (Besuchsdienste, Begegnungsorte, Kultur-/Sportangebote). 6) **Prävention & Gesundheitsförderung im Alter** - Sturzprävention, Bewegung, Ernährung, Hitze-/Kälteschutz, Suchtprävention im Alter, Impf- und Vorsorgekampagnen. - Früherkennung und Unterstützung bei Demenz/Depression. 7) **Digital unterstützte Versorgung – pragmatisch** - Digitale Termin- und Beratungswege, Telepflege/Telemedizin dort sinnvoll, Hausnotruf, Assistenzsysteme – plus „digitale Lotsen“ für Ältere. - Datenschutz- und Schulungskonzepte, damit Technik wirklich genutzt wird. 8) **Schutzkonzepte & Qualität** - Kommunale Präventions- und Interventionsstrukturen gegen Gewalt/Vernachlässigung, klare Melde- und Hilfeketten. - Qualitätszirkel mit Pflege, Ärzten, Kliniken, Rettungsdienst, Betreuungsbehörde. --- ## Landesebene – priorisiert 1) **Personaloffensive Pflege (Ausbildung, Bindung, Zuzug)** - Mehr Ausbildungsplätze, Praxisanleitung finanzieren, Schulgeldfreiheit/Attraktivität, Wohnheime/Wohnkostenzuschüsse für Azubis. - Programme zur Rückgewinnung/Bindung (Teilzeitmodelle, Gesundheitsmanagement, Entbürokratisierung). - Anerkennungs- und Integrationspfade für internationale Fachkräfte beschleunigen. 2) **Finanzierung & Investitionsförderung zielgenau steuern** - Investitionskostenförderung für Pflegeeinrichtungen und ambulante Infrastruktur (Tages-/Kurzzeitpflege, Demenz-WGs, Hospiz). - Förderkulissen für barrierefreien Umbau und Quartiersprojekte. 3) **Landesweite Pflegeplanung & Versorgungsmonitoring** - Verbindliche Bedarfsplanung (regional differenziert) mit Daten zu Pflegeplätzen, ambulanten Kapazitäten, Wartezeiten, Personal. - Frühwarnsysteme für Unterversorgung und gezielte Gegenmaßnahmen. 4) **Entlastung pflegender Angehöriger strukturell stärken** - Landesprogramme für niedrigschwellige Entlastungsangebote, Ehrenamtskoordination, Demenznetzwerke. - Einheitliche Standards/Qualifizierung für Alltagsunterstützung, damit Angebote skalieren. 5) **Schnittstellen Krankenhaus–Reha–Pflege verbessern** - Landesweite Standards für Entlassmanagement, Übergangspflege, geriatrische Reha-Kapazitäten. - Förderung integrierter Versorgungsmodelle (z. B. regionale Pflege-/Gesundheitszentren). 6) **Digitalisierung & Interoperabilität fördern** - Förderprogramme für digitale Pflegedokumentation, sichere Kommunikation, Teleangebote – mit Fokus auf Entlastung statt Mehrarbeit. - Landesweite Schulungs- und Supportstrukturen. 7) **Qualität, Aufsicht

Kategorie: Politik Tags: Pflege Senioren Kommunen

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