Ist Schmitts Freund-Feind-Konzept als Basis des Politischen eine begrenzte Sicht, und was würde Arendt dazu sagen?

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Ja. Schmitts Freund-Feind-Unterscheidung als „Wesen des Politischen“ gilt vielen als stark verkürzend. Sie reduziert Politik auf Abgrenzung, Konflikt und die Möglichkeit existenzieller Gegnerschaft. Dadurch geraten andere Dimensionen in den Hintergrund: gemeinsames Handeln, Institutionen, Pluralität, Aushandlung, Recht und öffentlicher Diskurs. Was Arendt dazu sagen würde: - **Wahrscheinlich klare Kritik**: Arendt versteht Politik nicht primär als Feindschaft, sondern als **Handeln und Sprechen unter Verschiedenen** im öffentlichen Raum. - **Pluralität statt Feindbild**: Für sie ist die Grundbedingung des Politischen, dass Menschen verschieden sind und trotzdem gemeinsam eine Welt teilen. - **Macht statt Gewalt**: Arendt trennt Macht und Gewalt deutlich. Macht entsteht, wenn Menschen gemeinsam handeln; Gewalt tritt oft dort auf, wo politische Macht zerfällt. Schmitts Ansatz liegt näher an Entscheidung, Souveränität und Extremkonflikt. - **Politik ist nicht Kriegsvorbereitung**: Arendt würde die Reduktion des Politischen auf den Ernstfall des Feindes als Verarmung ansehen. Politik beginnt für sie gerade dort, wo Menschen ohne Vernichtung des Gegners miteinander handeln. - **Gefahr für Freiheit**: Ein Politikbegriff, der auf Feindidentifikation beruht, bedroht aus ihrer Sicht den Raum der Freiheit, weil er Pluralität in Lagerlogik umformt. Kurz: **Arendt würde Schmitt wohl für zu eng, zu konfliktzentriert und letztlich antipolitisch halten.** Für sie ist das Politische nicht zuerst Feindschaft, sondern das freie gemeinsame Handeln pluraler Menschen. In einem Satz: **Schmitt definiert Politik vom Gegensatz her, Arendt vom gemeinsamen öffentlichen Handeln her.**

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