Was meint Lefort, wenn er sagt, die Demokratie sei „die geschichtliche Gesellschaft schlechthin“?

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Claude Lefort, ein französischer Philosoph und politischer Theoretiker, beschreibt die Demokratie als „die geschichtliche Gesellschaft schlechthin“, um zu betonen, dass die Demokratie eine Gesellschaftsform ist, die sich ständig im Wandel befindet und keine festen, unveränderlichen Strukturen hat. In einer demokratischen Gesellschaft gibt es keine endgültige Autorität oder absolute Wahrheit; stattdessen ist sie durch einen kontinuierlichen Prozess der Aushandlung, des Konflikts und der Veränderung gekennzeichnet. Lefort sieht die Demokratie als eine Gesellschaft, in der die Machtpositionen leer sind, was bedeutet, dass keine Einzelperson oder Gruppe dauerhaft die Macht innehat. Diese Leere ermöglicht es der Gesellschaft, sich ständig neu zu definieren und zu gestalten. In diesem Sinne ist die Demokratie „geschichtlich“, weil sie immer in Bewegung ist und sich an die sich verändernden Bedürfnisse und Wünsche der Menschen anpasst. Durch diese Perspektive hebt Lefort die dynamische und offene Natur der Demokratie hervor, im Gegensatz zu totalitären Regimen, die versuchen, eine feste und unveränderliche Ordnung zu etablieren.

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