Was bedeutet Kontingenz bei Hermann Cohen?

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Hermann Cohen, ein bedeutender deutscher Philosoph und Begründer der Marburger Schule des Neukantianismus, verwendet den Begriff "Kontingenz" in einem spezifischen philosophischen Kontext. Kontingenz bezieht sich bei Cohen auf die Idee der Zufälligkeit oder Nicht-Notwendigkeit von Ereignissen und Zuständen in der Welt. Im Gegensatz zur Notwendigkeit, die durch logische oder naturgesetzliche Zwänge bestimmt ist, beschreibt Kontingenz das, was auch anders sein könnte. Cohen betont, dass die menschliche Erkenntnis und Wissenschaft darauf abzielen, die Kontingenz der Welt zu überwinden, indem sie nach allgemeinen Gesetzen und Prinzipien suchen, die die scheinbare Zufälligkeit erklären und ordnen. In diesem Sinne ist die Auseinandersetzung mit Kontingenz ein zentraler Aspekt der wissenschaftlichen und philosophischen Arbeit, die darauf abzielt, die Welt verständlicher und berechenbarer zu machen. Cohens Ansatz ist stark von der kantischen Philosophie beeinflusst, insbesondere von Immanuel Kants Unterscheidung zwischen dem, was wir durch unsere Vernunft erkennen können (Notwendigkeit), und dem, was uns als zufällig erscheint (Kontingenz).

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