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Wer ist „hoi polloi“ in Platons Politeia?
Antwort vom**„Hoi polloi“ heißt bei Platon schlicht „die Vielen“ – also die breite Masse der Nicht-Philosophen, nicht eine bestimmte Personengruppe mit festem Amt. Gemeint ist meist die Menge, die nach Meinung, Gewohnheit und Begierden lebt und gerade deshalb in der *Politeia* kein verlässlicher Maßstab für Wahrheit oder gute Herrschaft ist.** ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Hoi_polloi)) ## Was Platon damit meint Wörtlich ist οἱ πολλοί einfach „die Vielen“. Das ist zunächst neutraler, als das heutige englische „hoi polloi“ klingt, das oft abwertend als „das gemeine Volk“ verwendet wird. Bei Platon bekommt der Ausdruck aber häufig einen klaren Gegensatz zu den wenigen Einsichtigen oder philosophisch Gebildeten. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Hoi_polloi)) In der *Politeia* ist damit also nicht „das Volk“ im modernen demokratischen Sinn gemeint, sondern die Mehrheit der Menschen in der Polis: Produzenten, Zuschauer, Wähler, Mitläufer, kurz die Menge, die sich eher von Lust, Nutzen, Rhetorik und öffentlicher Stimmung leiten lässt als von Erkenntnis des Guten. Diese Gegenüberstellung trägt das ganze Werk. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Politeia)) ## Der entscheidende Punkt Platons eigentliche Aussage ist nicht sozial, sondern erkenntnistheoretisch: Die Vielen irren nicht deshalb, weil sie „einfaches Volk“ sind, sondern weil sie an *doxa* – Meinung – hängen, während Philosophen auf *epistēmē* – Einsicht/Wissen – zielen. Der Gegensatz lautet also weniger „oben gegen unten“ als „Meinung gegen Erkenntnis“. Das wird in vielen knapperen Erklärungen unterschlagen. ([cambridge.org](https://www.cambridge.org/core/services/aop-cambridge-core/content/view/EB8C021D473AFC83B93290B76A435570/S0034670522001206a.pdf/crowds_and_crowdpleasing_in_plato.pdf)) ## Kurz und präzise übersetzt Am besten übersetzt du „hoi polloi“ in diesem Kontext mit: - **die Vielen** - **die breite Menge** - je nach Stelle auch **die Masse** **„Pöbel“** ist meist zu scharf, **„Volk“** oft zu modern und politisch missverständlich. ## Wichtiger Unterschied zur heutigen Verwendung Heute klingt „hoi polloi“ oft snobistisch. Bei Platon ist es philosophisch funktional: Er markiert damit die Mehrheit als die Gruppe, die in Fragen von Gerechtigkeit und guter Ordnung gerade **nicht** aus eigener Kraft zum besten Urteil kommt. Deshalb endet die *Politeia* bei der Forderung, dass nicht die Vielen, sondern die philosophisch Besten herrschen sollen. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Politeia))
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