Ja – Rosuvastatin 10 mg ist bei mäßig eingeschränkter Nierenfunktion oft möglich, aber gerade mit 83 Jahren nicht automatisch die richtige Startdosis. Entscheidend ist deine...
Sind 20 mg Rosuvastatin nach einer Stent-Implantation bei einer GFR von 56 sinnvoll?
Antwort vom**20 mg Rosuvastatin nach Stent sind grundsätzlich eine übliche starke Sekundärprävention, aber bei einer GFR von 56 ist genau diese Startdosis nicht automatisch die naheliegendste Standardwahl.** Nach Stent gilt meist: LDL schnell und deutlich senken, deshalb werden hochintensive Statine oft direkt begonnen. Rosuvastatin 20 mg zählt zu diesen hochintensiven Dosen. ([ahajournals.org](https://www.ahajournals.org/doi/abs/10.1161/CIR.0000000000001423)) ## Der entscheidende Punkt bei GFR 56 Eine eGFR von 56 ml/min/1,73 m² entspricht in der Regel einer **milden bis mäßigen Nierenfunktionsstörung**. Für Erwachsene ab 50 Jahren mit eGFR unter 60 wird eine Statintherapie ausdrücklich empfohlen, weil das kardiovaskuläre Risiko erhöht ist. ([kdigo.org](https://kdigo.org/wp-content/uploads/2024/03/KDIGO-2024-CKD-Guideline.pdf)) Aber: In der Fachinformation zu Rosuvastatin steht, dass bei **mittelschwerer Nierenfunktionsstörung** mit Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min die **empfohlene Anfangsdosis 5 mg** ist. Außerdem ist 40 mg in dieser Situation problematisch bzw. kontraindiziert; 20 mg ist nicht pauschal verboten, aber als Startdosis bei eingeschränkter Nierenfunktion eben nicht die vorsichtigste Standardoption. ([fachinfo.de](https://www.fachinfo.de/fi/pdf/021796/rosuvastatin-ratiopharm-5-mg-10-mg-20-mg-filmtabletten)) ## Warum Ärztinnen es trotzdem so verordnen Nach Stent bist du in der Gruppe mit **sehr hohem Herz-Kreislauf-Risiko**. Das Therapieziel ist nicht „ein bisschen Cholesterin senken“, sondern meist **mindestens 50 % LDL-Senkung** und ein sehr niedriger LDL-Zielwert. Genau deshalb wird oft direkt stark behandelt. ([esc365.escardio.org](https://esc365.escardio.org/journal/1333)) Der wichtige Unterschied ist also: **Kardiologisch** ist 20 mg Rosuvastatin gut begründbar. **Nephrologisch/pharmakologisch** ist bei eGFR 56 eine vorsichtigere Startstrategie ebenfalls gut begründbar. Beides kann gleichzeitig richtig sein. ## Was das praktisch für dich bedeutet Entscheidend ist nicht nur die eGFR-Zahl, sondern auch: - wie alt du bist - ob die 56 dauerhaft oder nur vorübergehend war - Kreatinin-Clearance statt nur eGFR - Muskelbeschwerden in der Vorgeschichte - andere Medikamente, die Rosuvastatin-Spiegel erhöhen können - Leberwerte, CK und Ausgangs-LDL ([fachinfo.de](https://www.fachinfo.de/fi/pdf/021796/rosuvastatin-ratiopharm-5-mg-10-mg-20-mg-filmtabletten)) Ein praxisnaher Vergleich: - **Rosuvastatin 20 mg**: stärker, oft passend nach Stent, aber bei Nierenfunktion 56 nicht die konservativste Startwahl. - **Atorvastatin 40–80 mg**: ebenfalls hochintensiv, wird bei eingeschränkter Nierenfunktion oft als unkompliziertere Alternative gesehen, weil Rosuvastatin stärker renal mitgedacht werden muss. Die KDIGO-Leitlinie nennt bei CKD als sichere intensive Regime eher **Atorvastatin 20 mg** oder **Rosuvastatin 10 mg** als belegte Optionen. ([kdigo.org](https://kdigo.org/wp-content/uploads/2024/03/KDIGO-2024-CKD-Guideline.pdf)) ## Klare Einordnung Wenn deine Ärztin dir **wegen des Stents sofort 20 mg Rosuvastatin** geben wollte, ist das **kardiologisch nachvollziehbar**. Bei **GFR 56** ist es aber **berechtigt, die Dosis kritisch zu prüfen**, weil die Fachinformation für diese Nierenfunktion eine niedrigere Anfangsdosis nennt. ([fachinfo.de](https://www.fachinfo.de/fi/pdf/021796/rosuvastatin-ratiopharm-5-mg-10-mg-20-mg-filmtabletten)) Die sachlich stärkste Schlussfolgerung ist daher: **Nicht das Statin an sich ist fraglich, sondern eher die Wahl von Rosuvastatin 20 mg als sofortige Startdosis bei deiner Nierenfunktion.** Eine Alternative kann sein: niedriger mit Rosuvastatin starten oder statt dessen ein hochintensives Atorvastatin-Schema zu wählen. Diese Abwägung sollte ärztlich anhand deiner Gesamtmedikation und deines LDL-Ausgangswerts erfolgen.