Warum werden bei Schwerstkranken normale Atemzüge von kurzen, heftigen Atemnot-Anfällen unterbrochen und wie lässt sich das lindern?
Antwort vom**Das ist meist kein „Ersticken“, sondern ein typisches Atemmuster in der Sterbephase: Die Atemsteuerung im Gehirn wird instabil, dadurch wechseln normale oder flache Atemzüge mit kurzen Phasen tiefer, angestrengter Schnapp- oder Ringatmung. Entscheidend ist: Für Angehörige wirkt das oft schlimmer, als es der schwerkranke Mensch noch bewusst erlebt.** ([nhs.uk](https://www.nhs.uk/tests-and-treatments/end-of-life-care/your-wellbeing/changes-in-the-last-hours-and-days/)) ## Warum das passiert In den letzten Stunden oder Tagen vor dem Tod verändert sich die Atmung häufig deutlich. Typisch sind flachere Atemzüge, längere Pausen und dann wieder einzelne tiefe oder heftige Atemzüge. Dahinter steckt meist kein plötzliches „Luftkriegen-Wollen“ im normalen Sinn, sondern ein Nachlassen der zentralen Atemregulation, oft zusammen mit Schwäche, sinkendem Sauerstoffbedarf und veränderter Kohlendioxid-Steuerung. Das kann wie Cheyne-Stokes-Atmung oder agonale Schnappatmung aussehen. ([nhs.uk](https://www.nhs.uk/tests-and-treatments/end-of-life-care/your-wellbeing/changes-in-the-last-hours-and-days/)) Ein wichtiger Unterschied: Laute, unregelmäßige oder rasselnde Atmung bedeutet nicht automatisch starke Atemnot. Gerade in der Sterbephase sind viele Betroffene bewusstseinsgetrübt; die Geräusche und Atemmuster belasten oft vor allem die Angehörigen. ([nice.org.uk](https://www.nice.org.uk/guidance/ng31/ifp/chapter/help-to-stay-comfortable)) ## Wie man es lindern kann Wenn der Mensch dabei unruhig, ängstlich oder sichtbar gequält wirkt, wird palliativ behandelt. Am wirksamsten sind nicht reflexhaft Sauerstoff oder „mehr Luft“, sondern eine gezielte Symptomlinderung: ruhige Ansprache, Oberkörperhochlagerung oder Seitenlage, wenig Reize, frische Luft oder ein Luftzug ins Gesicht und – wenn nötig – Medikamente gegen Atemnot, Angst oder Unruhe, häufig Opioide und je nach Situation beruhigende Mittel. Sauerstoff hilft in der Sterbephase meist nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich ein Sauerstoffmangel vorliegt. ([nice.org.uk](https://www.nice.org.uk/guidance/ng31/ifp/chapter/help-to-stay-comfortable)) Wenn zusätzlich ein „Rasseln“ durch Sekret dazukommt, hilft Umlagern oft mehr als Absaugen. Absaugen belastet Sterbende häufig unnötig; Medikamente zur Sekretminderung können sinnvoll sein, wenn das Geräusch stark stört. ([nhs.uk](https://www.nhs.uk/tests-and-treatments/end-of-life-care/your-wellbeing/changes-in-the-last-hours-and-days/)) ## Was praktisch wichtig ist Der entscheidende Punkt ist nicht das Geräusch, sondern ob der Mensch leidet. Zeichen dafür sind panischer Gesichtsausdruck, starke Unruhe, Abwehr, verkrampfte Atemhilfsmuskulatur oder sichtbare Angst. Dann sollte sofort das Palliativteam, der ärztliche Bereitschaftsdienst oder im Heim das Pflegepersonal die Medikation anpassen. ([nice.org.uk](https://www.nice.org.uk/guidance/ng31/ifp/chapter/help-to-stay-comfortable)) Ein wenig bekannter, aber wichtiger Punkt: Angehörige deuten diese Atemanfälle oft als akutes Ersticken und geraten selbst in Panik. Genau diese Unruhe überträgt sich leicht auf den Sterbenden. Ruhige Präsenz, wenig Aktionismus und gute palliative Symptomkontrolle helfen meist mehr als hektische Notfallmaßnahmen. ([wchc.nhs.uk](https://www.wchc.nhs.uk/resources/what-to-expect-when-someone-is-in-their-last-days-of-life/)) Wenn solche Anfälle neu auftreten und die Person **nicht** in einer erwarteten Sterbephase ist, muss man anders denken: Dann kommen auch behandelbare Ursachen wie Lungenödem, Infekt, Schmerz, Angst, Aspiration oder Herzprobleme infrage. ([nice.org.uk](https://www.nice.org.uk/guidance/ng31/ifp/chapter/help-to-stay-comfortable))