Wie sind die Beziehungen zwischen Deutschland und China im Chemiebereich?

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**Die Beziehungen zwischen Deutschland und China im Chemiebereich sind eng, aber deutlich nüchterner und risikobewusster als noch vor wenigen Jahren: China bleibt für deutsche Chemie ein Schlüsselmarkt und Produktionsstandort, ist aber zugleich ein immer stärkerer Wettbewerber.** ## Was das konkret bedeutet Deutschland exportiert weiterhin viel Chemie und Pharma nach China, und zwar nicht nur Basischemikalien, sondern vor allem höherwertige Produkte. 2024 gingen deutsche Chemie- und Pharmaexporte im Wert von über 10,8 Milliarden Euro nach China; umgekehrt importierte Deutschland aus China mehr als 7,2 Milliarden Euro. Für Deutschland ergibt sich in diesem Bereich also noch ein Handelsüberschuss. ([vci.de](https://www.vci.de/ergaenzende-downloads/laenderbericht-china-2025.pdf)) Gleichzeitig hat sich das Kräfteverhältnis verschoben: China ist nicht mehr nur Absatzmarkt und Werkbank, sondern baut in vielen Chemiesparten eigene Kapazitäten massiv aus. Besonders bei Fein- und Spezialchemikalien sowie Petrochemikalien ist China inzwischen selbst sehr stark, und der Kapazitätsaufbau dürfte den Wettbewerbsdruck weiter erhöhen. ([vci.de](https://www.vci.de/ergaenzende-downloads/laenderbericht-china-2025.pdf)) ## Warum die Beziehung ambivalent ist Für deutsche Chemiekonzerne ist China zu groß, um es zu ignorieren. Deshalb investieren Unternehmen weiter direkt vor Ort. Der sichtbarste Fall ist BASF: Der Verbundstandort in Zhanjiang wurde mit rund 8,7 Milliarden Euro aufgebaut, ist einer der größten Auslandsstandorte des Konzerns und produziert gezielt „local for local“ für den chinesischen Markt. Das zeigt: Deutsche Chemie setzt in China nicht mehr primär auf Export aus Deutschland, sondern auf lokale Produktion in China für chinesische Kunden. ([basf.com](https://www.basf.com/global/de/media/events/2026/zhanjiang-inauguration)) Genau darin liegt aber auch das Risiko. Wenn deutsche Firmen in China lokalisieren, sinkt oft der klassische bilaterale Handel, weil Wertschöpfung direkt im Land entsteht. Gleichzeitig entstehen Doppelstrukturen, politische Abhängigkeiten und ein höheres Exposure gegenüber chinesischer Regulierung, Preisdruck und dem „Buy China“-Trend. ([gtai.de](https://www.gtai.de/de/trade/china/wirtschaftsumfeld/china-ist-nicht-mehr-deutschlands-groesster-handelspartner-1072614)) ## Der entscheidende Unterschied zu früher Früher war China für deutsche Chemie vor allem ein Wachstumsmarkt. Heute ist China gleichzeitig Markt, Produktionsbasis, Innovationspartner und Konkurrent. Das ist der eigentliche Wendepunkt: Deutsche Unternehmen gehen nicht mehr mit der Erwartung nach China, dort automatisch höhere Margen zu erzielen. Sie gehen dorthin, weil sie sonst Marktanteile verlieren würden. Die Beziehung ist also weniger von Euphorie geprägt als von strategischer Notwendigkeit. ## Praxisnahe Einordnung Wenn man BASF in Ludwigshafen mit BASF in Zhanjiang vergleicht, wird der Wandel sichtbar: Früher stand eher der Export deutscher Chemiekompetenz im Vordergrund, heute wird ein großer Teil der China-Strategie über lokale, integrierte Produktion abgesichert. Das stärkt die Nähe zum Kunden, schwächt aber tendenziell die Rolle Deutschlands als alleiniger Produktionsanker. Für Deutschland heißt das im Ergebnis: - China bleibt im Chemiebereich unverzichtbar. - Die Abhängigkeit von China soll politisch begrenzt werden. - Unternehmen investieren trotzdem weiter, aber vorsichtiger und stärker lokalisiert. - Der größte Druck kommt nicht mehr nur aus der Politik, sondern aus Chinas eigener industrieller Stärke. ## Klare Bewertung Die deutsch-chinesischen Beziehungen im Chemiebereich sind heute weder „schlecht“ noch „besonders partnerschaftlich“ im klassischen Sinn. Sie sind vor allem **hochgradig verflochten, wirtschaftlich notwendig und strategisch angespannt**. Der wichtigste Punkt ist deshalb: Für deutsche Chemie ist China kurzfristig eher unverzichtbar, langfristig aber ein Markt, in dem aus Abhängigkeit schnell Verwundbarkeit werden kann.

Kategorie: Chemie Tags: Deutschland China Chemie

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